In den Führungsebenen der Bundestagsverwaltung arbeiten einem Medienbericht zufolge fast keine Ostdeutschen. Ein Sprecher der Bundestagsverwaltung sagte der Mitteldeutschen Zeitung, es gebe "derzeit keine ostdeutsche Abteilungsleiterin und keinen ostdeutschen Abteilungsleiter in der Bundestagsverwaltung". Von aktuell 14 Unterabteilungen werde nur eine von einem Ostdeutschen geleitet. Zudem kommen laut dem Sprecher von insgesamt 101 Referats-, Fachbereichs- und Sekretariatsleiterinnen und -leitern nur vier aus Ostdeutschland. Insgesamt arbeiten in der Bundestagsverwaltung rund 3.000 Menschen.

Der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) bedauerte die geringe Zahl von Ostdeutschen in den Führungsebenen. "Da müsste doch mittlerweile Normalität eingekehrt sein", sagte Thierse der Zeitung. Ostdeutsche hätten zwar in den Neunzigerjahren keine Führungsposition einnehmen können, aber diese Zeiten seien vorbei.

Kritik von Linken und Grünen

Auch die Sprecher der Ostlandesgruppen von Linken und Grünen kritisierten die Zahlen. So sagte Matthias Höhn (Linke) der Mitteldeutschen Zeitung, dies sei "knapp 28 Jahre nach der Vereinigung völlig inakzeptabel und nur die Spitze des Eisbergs einer strukturellen Benachteiligung bei allen Führungspositionen sowohl in der Verwaltung als auch in der Wirtschaft". Er regte an, dass sich der Bundestagspräsident und der Ältestenrat des Problems annehmen und sich darauf "verständigen, wie man das in absehbarer Zeit ändern kann".

Die Grünenabgeordnete Claudia Müller sagte, die Zahlen belegten einen Nachholbedarf im öffentlichen Bereich. "Darüber müssen wir ernsthaft reden", sagte Müller.

Eine Ostquote ist rechtlich umstritten

Bereits seit Längerem wird über die geringe Vertretung von Ostdeutschen in Führungspositionen debattiert. So kam eine Studie der Universität Jena und der Hochschule Zittau/Görlitz im vergangenen Jahr zu dem Ergebnis, dass gerade einmal 1,7 Prozent der Spitzenpositionen in Deutschland von Ostdeutschen besetzt seien – und das bei einem Bevölkerungsanteil von etwa 17 Prozent. Selbst in den ostdeutschen Bundesländern seien Ostdeutsche oft unterrepräsentiert. "Im politischen Bereich gibt es eine einigermaßen angemessene Vertretung Ostdeutscher gemäß ihrem Bevölkerungsanteil", sagte Raj Kollmorgen, Soziologieprofessor an der Hochschule Zittau/Görlitz, zu den Studienergebnissen. Jedoch seien Ostdeutsche in Verwaltung, Justiz, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien deutlich unterrepräsentiert.

Ein möglicher Vorschlag, der diskutiert wird, ist eine Ostquote. Dagegen gibt es allerdings rechtliche Bedenken.