Mehrere AfD-Politiker haben sich in der Rassismusdebatte um eine Äußerung von Christian Lindner hinter den FDP-Chef gestellt. Der AfD-Vizevorsitzende Georg Pazderski sagte: "Die Altparteien können gar nicht mehr anders, als die Positionen der AfD zu übernehmen, weil sie sonst den Anschluss an die Realpolitik und die Bürger endgültig verlieren."

AfD-Bundestagsfraktionschefin Alice Weidel lud Lindner zur Zusammenarbeit ein. "Lindner kann sich bei Migration gerne mit uns abstimmen", sagte Weidel. Bisher habe sich die FDP jedem Antrag der AfD konsequent verweigert, der die Rechtsstaatlichkeit in Deutschland wiederherstellen will. "Wir laden die FDP aber gerne ein, ihren Worten auch Taten folgen zu lassen."

Der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen sagte: "Schön, wenn nun einer wie Lindner, der uns von der AfD permanent und komplett zu Unrecht einer Fremdenfeindlichkeit und eines Rassismus zeiht, die uns vollkommen fremd sind, einmal selbst mit diesem unberechtigten Vorwurf konfrontiert wird." Vielleicht werde Lindner diesen Vorwurf "künftig nicht mehr so leichtfertig in den öffentlichen Raum stellen", so Meuthen.

Christian Lindner - FDP-Chef sorgt mit Bäckerei-Anekdote für Kritik FDP-Christian Lindner hat mit einer Äußerung auf dem Bundesparteitag der FDP am Samstag für Wirbel gesorgt. Er äußerte sich zum Thema Fremdenangst in einer fiktiven Bäckerei-Schlange. © Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Klöckner mahnt zur Mäßigung

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) mahnte in der Debatte zur Mäßigung. "Ich finde, wir sollten auch die Kirche im Dorf lassen und jetzt nicht Herrn Lindner die Rassismuskeule überziehen", sagte Klöckner. 

Lindner hatte auf dem FDP-Parteitag eine Anekdote beschrieben, die ihm ein Bekannter mit Migrationshintergrund erzählt habe. Da bestellt jemand beim Bäcker "mit gebrochenem Deutsch ein Brötchen", und die Leute in der Schlange wüssten nicht, "ob das der hoch qualifizierte Entwickler künstlicher Intelligenz aus Indien ist oder eigentlich ein sich bei uns illegal aufhaltender, höchstens geduldeter Ausländer", sagte Lindner. Diese Unsicherheit könne Angst auslösen.

Viele warfen Lindner daraufhin Rassismus vor. Die bayerische Grünenabgeordnete Katharina Schulze twitterte: "Christian Lindner findet: Vor jemandem, der gebrochen deutsch spricht, kann man Angst haben. Abhilfe vor diesen Ressentiments schaffen nur die aus seiner Sicht 'wertvollen' Ausländer. Das ist purer Rassismus und noch dazu menschenfeindlich." 

Grünen-Chef Robert Habeck bezeichnete Lindners Ausführungen als "dusselig". Dessen Argumentation sei schief und falsch, sagte er der Bild-Zeitung. Vom Vorwurf des Alltagsrassismus sprach er Lindner aber frei: "Christian Lindner ist kein Rassist. Da nehme ich ihn gegen jeden Verdacht in Schutz", sagte Habeck.

FDP-Mitglied trat aus

Der SPD-Innenpolitiker Burkhard Lischka sprach von einer "dümmlichen Anekdote". Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Christian Bäumler, sprach im Handelsblatt von "Stimmungsmache gegen Dunkelhäutige und Hartz-IV-Empfänger mit Flüchtlingsgeschichte". Damit betreibe Lindner "das Geschäft der AfD", sagte Bäumler.

Ein FDP-Mitglied entschied sich nach Lindners Äußerung sogar dazu, die Partei zu verlassen. "Ich bin soeben aus der FDP ausgetreten", twitterte Chris Pyak, der auch bei der europäischen liberalen Parteien-Dachorganisation Alde aktiv ist. "Christian Lindner hat in seiner Rede allen Nazis einen Vorwand geliefert, dunkelhäutige Menschen zu drangsalieren."

Lindner selbst wies die Kritik zurück. Wer in seiner Anekdote Rassismus oder Rechtspopulismus lesen wolle, sei "etwas hysterisch unterwegs", sagte Lindner in einem auf Twitter verbreiteten Video. Solche Debatten müsse man nüchterner und vernünftiger führen. Es gehe um eine reale Situation, die ihm ein Zuwanderer geschildert habe.