Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), führt Alkoholabhängigkeit und Alkoholexzesse unter Jugendlichen auch auf die günstigen Spirituosenpreise in Deutschland zurück. "Wir können uns nicht zurücklehnen und abwarten, sondern müssen gemeinsam weiter nach passenden Lösungsansätzen für Deutschland suchen", sagte Mortler den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Wenn wir wollen, dass in Deutschland weniger Menschen alkoholabhängig werden, weniger Jugendliche komasaufen, dann ist nicht nur die Politik gefragt."

Das Problem sei, dass Alkohol in Deutschland allgegenwärtig und selbstverständlich sei, kritisierte sie weiter. "Billigalkoholika zum Discountpreis haben nichts mehr mit Genuss zu tun, sondern zielen auf Masse und animieren gerade Jüngere mit wenig Einkommen zum Saufen."

Schottland - Mindestpreis für Alkohol eingeführt Die schottische Regierung erhofft sich von dem neuen Gesetz einen Rückgang des Alkoholkonsums. Hochwertige Whiskys sind von dem Mindestpreis am wenigsten betroffen. © Foto: Jane Barlow/PA/AP

In Schottland gilt seit dem 1. Mai ein Mindestpreis für Alkohol. Bier, Wein und Spirituosen müssen jetzt so teuer sein, dass der darin enthaltene reine Alkohol für 50 Pence (57 Cent) pro zehn Milliliter verkauft wird. Schottland rechnet damit, dass es so innerhalb von fünf Jahren etwa 400 Todesfälle und 8.000 Klinikaufenthalte verhindern kann.

Suchtexperte: Alkohol in Deutschland "unverhältnismäßig" günstig

Raphael Gaßmann, Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, sagte den Funke-Zeitungen, ein Mindestpreis für Alkohol sei der erste, wichtige Schritt, um den Alkoholkonsum zu senken. Es sei nachgewiesen, dass mehr Alkohol getrunken werde, je niedriger sein Preis sei. "Wer den Alkoholkonsum reduzieren will, muss dafür sorgen, dass die in Deutschland unverhältnismäßig niedrigen Preise für alkoholische Getränke angehoben werden."

Auch der Suchtexperte des AOK-Bundesverbands, Kai Kolpatzik, plädierte für höhere Verkaufspreise: "Deutschland zählt zu den Hochkonsumländern. Deshalb plädiere ich dafür, auch hierzulande stärker über höhere Preise von Alkohol nachzudenken." Die vor 14 Jahren eingeführte Steuer auf sogenannte Alkopops habe gezeigt, "wie wirksam man über gezielte Besteuerung eine positive Lebensstiländerung auf breiter Front einleiten kann".