Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne) ist nach 16 Jahren im Amt abgewählt worden. Bei der Stichwahl am Sonntag kam der 57-Jährige laut vorläufigem Endergebnis nur auf 30,7 Prozent der Stimmen. Sein Herausforderer, der parteilose Sozialwissenschaftler Martin Horn, erreichte demnach 44,2 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag laut Rathaus bei 51,7 Prozent. 

Auf der Wahlparty des neuen Oberbürgermeisters kam es noch am Wahlabend zu einem Zwischenfall. Horn sei kurz nach seinem Sieg ins Gesicht geschlagen worden, bestätigte die Freiburger Polizei. Die Folgen: ein ausgeschlagener Zahn und eine Wunde unter dem Auge. Horn sei zur weiteren Abklärung in ein Krankenhaus gebracht worden. Ein 54 Jahre alter Tatverdächtiger wurde festgenommen. Die Polizei teilte mit, der Mann sei "bereits durch mehrere Vorfälle in der Vergangenheit als psychisch auffällig polizeilich in Erscheinung getreten". Die weiteren Ermittlungen übernehme der Staatsschutz.

Jüngster OB einer deutschen Großstadt

Horn, dessen Kandidatur von der SPD unterstützt wurde, hatte bereits im ersten Wahldurchgang vor zwei Wochen gut drei Prozentpunkte vor Salomon gelegen. Der 33-Jährige ist nun nach eigenen Angaben jüngster Oberbürgermeister einer deutschen Großstadt. Er tritt sein Amt am 1. Juli an.

Salomon hatte vor der Wahl angekündigt, im Falle einer Niederlage in den Ruhestand zu gehen. Am Wahlabend sagte er: "Für mich beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt." Salomon war 2002 als erster Grünen-Politiker zum Oberbürgermeister einer Großstadt gewählt worden. Freiburg ist mit rund 230.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt in Baden-Württemberg. Vor Salomon hatte 40 Jahre lange die SPD den Oberbürgermeister in Freiburg gestellt.

Eines der dominierenden Themen im Wahlkampf waren die hohen Mietpreise in der Universitätsstadt. Der Wahlausgang hat symbolische Bedeutung über die kommunale Ebene hinaus und gilt als schlechtes Zeichen für die im Land zusammen mit der CDU regierenden Grünen von Ministerpräsident Winfried Kretschmann.