Anders als Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) hält Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) eine Plastiksteuer durchaus für denkbar. "Wenn sich zeigt, dass auf Grundlage freiwilliger Vereinbarungen keine Lösung möglich ist, muss der Gesetzgeber reagieren. Dann müssen wir über eine Plastiksteuer als Alternative nachdenken", sagte Müller dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. 

Alternativ könne man auch darüber nachdenken, die Mehrwertsteuer für Produkte aus Recyclingplastik zu senken, so Müller. Klar sei jedenfalls: "Wir können nicht einfach hinnehmen, dass immer mehr Mikroplastik unsere Weltmeere verschmutzt."

Bereits im Herbst vergangenen Jahres hatte der deutsche EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU) die Einführung einer EU-weiten Plastiksteuer vorgeschlagen. Mit dem Geld solle das Einnahmedefizit ausgeglichen werden, das durch den Brexit entstehe. Gleichzeitig könne etwas gegen die zunehmende Verbreitung von Plastikmüll unternommen werden, so die Überlegung.

Welche Tüte hat die bessere Ökobilanz? Seit einiger Zeit sind Plastiktüten in Geschäften kostenpflichtig. Welche Alternativen sind besser: Papier, Stoff oder Jute?

Schulze will Mikroplastik verbieten

Schulze sagte erst vor wenigen Tagen, dass sie eine Plastiksteuer ablehnt. Die Umweltministerin spricht sich aber für ein europaweites Verbot von Mikroplastik aus. "Wir müssen diese Plastikflut in der Umwelt dringend eindämmen", sagte sie der Neuen Osnabrücker Zeitung. Forscher hatten zuletzt in der Arktis mehr als 12.000 Mikroplastikteilchen pro Liter Meereis nachgewiesen.

Als Mikroplastik werden winzige Kunststoffpartikel bezeichnet, die wenige tausendstel Millimeter bis unter fünf Millimeter groß sind. Sie sind in Reinigungsmitteln wie Waschpulver, Shampoo oder Kosmetik enthalten. Vor allem aber entsteht Mikroplastik durch den Verfall größeren Plastikmülls, etwa wenn sich Plastiktüten oder -flaschen zersetzen.

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Tüten mit Tücken

Tüten mit Tücken

Plastiktüten vermüllen Europa. Stoffbeutel oder Papiertaschen gelten als Alternativen. Doch wie ökologisch sind sie wirklich?

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Auslaufmodell kostenlose Tüte

Seit dem 1. Juli 2016 gibt es Plastiktüten kaum noch umsonst, um die Umwelt zu schonen. Mehr als 240 Unternehmen in Deutschland haben sich verpflichtet, Tüten nur gegen Gebühr abzugeben.

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Was ist das Problem?

Was ist das Problem?

Plastiktüten werden aus Polyethylen hergestellt, der Rohstoff dafür ist Erdöl. Sie halten mehrere Hundert Jahre lang. Das hat Folgen.

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Der Strand als Deponie

Der Strand als Deponie

Da sich Kunststoffe erst nach 500 Jahren zersetzen, wachsen überall Müllberge. Die Abbaustoffe belasten Böden und Gewässer.

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Sie müssen drei bis vier Mal wiederverwendet werden, um ökologisch besser zu sein als Plastiktüten. Sie sind also nicht per se besser. Ihre Zellstofffasern werden chemisch behandelt. Die Tüten müssen dick sein, um nicht zu reißen, wozu man viel Holz braucht. Weil Papier schwerer ist als Plastik, werden beim Transport mehr Emissionen freigesetzt.

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Besser als Naturfasern: Schon nach dreimaligem Wiederverwenden haben Kunststofftaschen eine bessere Umweltbilanz als Einwegtüten aus Neugranulat. Meist bestehen sie aus recyceltem Material von PET-Flaschen.

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Schulze sagte, die Kosmetikindustrie müsse auch national zum Ausstieg aus der Nutzung von Kunststoffteilchen als Schleifmittel bewegt werden. Bei Peelings und anderen Kosmetika sei das schon geschafft. Die Hersteller setzten jetzt Walnussmehl oder Mandelkleie statt Mikroplastik ein. "Mein Ziel ist, dass die Industrie im nächsten Schritt auch bei Shampoo, Rasierschaum oder Haarspray auf Mikroplastik verzichtet", sagte Schulze.

Schulze wirbt für bessere Recyclingsysteme

Die Umweltministerin bekräftigte ihre Absage an eine generelle Plastiksteuer, die Kunststoffe grundsätzlich um ein paar Cent teurer macht. "Das würde der Umwelt nichts bringen, weil es keine Lenkungswirkung entfaltet", sagte sie. Beim Abbau von Müll in den Meeren liege der zentrale Hebel in den Entwicklungs- und Schwellenländern. "Denen müssen wir helfen, bessere Sammel- und Recyclingsysteme aufzubauen", sagte Schulze.

Aber auch Deutschland müsse besser werden, so Schulze. Es gehe darum, überflüssiges Plastik zu vermeiden und das, was wir nicht vermeiden können, noch effektiver zu recyceln. "Altes Plastik ist kein Müll, sondern ein Rohstoff, den man recyceln und nutzen kann – das tut auch unsere Wirtschaft bislang noch nicht genug", sagte Schulze.