Die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung, Gundula Roßbach, fordert eine höhere Grundrente in Ballungsräumen. Mietpreisunterschiede zwischen Stadt und Land müssten in die Berechnung der geplanten Grundrente für langjährige Geringverdiener einfließen, forderte Roßbach. "Im Bayerischen Wald beispielsweise brauchen die Betroffenen im Schnitt mehrere Hundert Euro weniger als in München", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. 

Gerade im Alter müssten die Menschen durch mehr Unterstützung vor einem sozialen Abrutschen geschützt werden, sagte Roßbach. "Was mich umtreibt, ist, dass es für bundesweite Alterssicherungssysteme schwierig ist, regionale überdurchschnittliche Steigerungen bei der Miete und Unterschiede der Wohnungsmärkte auszugleichen." In Ballungsräumen, wo das Wohnen teurer sei, könnten es alte Menschen schwerer haben, mit der Grundrente auszukommen.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte angekündigt, noch im kommenden Jahr die Grundente auf den Weg zu bringen. Wer 35 Jahre lang Beiträge gezahlt hat oder Zeiten der Erziehung oder Pflege vorweisen kann, soll Anspruch auf eine Grundrente erhalten. Eine Rentenkommission der Bundesregierung soll bis März 2020 Vorschläge erarbeiten, wie das Rentensystem in der Zeit nach 2025 gesichert werden kann.

Roßbach lobte die derzeitige Aufstellung der Rentenversicherung. Ein Großteil der älteren Menschen bestreite sein Einkommen selbst, nur drei Prozent seien auf Grundsicherung angewiesen. Ein besonderes Risiko für Armut im Alter bestehe bei Erwerbsminderungsrentnern, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr voll arbeiten können. Außerdem seien Selbständige und Langzeitarbeitslose Risikogruppen. Solche Risikogruppen untersucht die Rentenversicherung derzeit in der Studie LEA ("Lebensverläufe und Altersvorsorge"). Dafür waren fast 10.000 Menschen befragt worden, nun soll daraus abgeleitet werden, welche Risiken in den kommenden Jahrzehnten auf die Rentenversicherung zukommen.