Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen hat vor Cyberangriffen in Deutschland gewarnt. Deutschland sei im Fokus ausländischer Nachrichtendienste, sagte Maaßen dem rbb-Inforadio. Ziel sei es, Sabotageakte vorzubereiten, indem Schadprogramme in kritische Infrastrukturen eingespeist würden, "um vielleicht für den Zeitpunkt X, wenn es zu einer politischen Auseinandersetzung kommen sollte, diese scharf zu schalten". Unter kritischer Infrastruktur versteht man gesellschaftlich bedeutende Anlagen oder Systeme wie die Strom- und Wasserversorgung.

Dieser Gefahr müsse Deutschland mit eigenen Präventivschlägen zuvorkommen. Vor einer bevorstehenden Sabotageaktion aus dem Ausland müsse man in der Lage sein, den Gegner so zu schädigen, dass die Attacke keinen Erfolg habe, sagte er im ARD-Morgenmagazin. "Und darüber muss diskutiert werden, gesprochen werden und entschieden werden, ob wir derartige Befugnisse, wir als Sicherheitsgemeinschaft in Deutschland, bekommen."

Beispielhaft erinnerte Maaßen an den Cyberangriff auf ein ukrainisches Kraftwerk Ende 2015. Zeitgleich habe man auch einen Angriff auf deutsche Einrichtungen festgestellt. "Der gleiche Angreifer mit der gleichen Schadware hat auch versucht, deutsche Infrastruktur anzugreifen", sagte Maaßen. Für den Angriff hatten die deutschen Sicherheitsbehörden seinerzeit Russland verantwortlich gemacht.

Die Gefahr sei den Trägern der kritischen Infrastrukturen bekannt. Laut Maaßen stellen sie sich darauf ein. Deutschland biete jedoch eine große Angriffsfläche, "weil vieles, wenn nicht sogar mittlerweile fast alles, mit dem Internet vernetzt ist", sagte Maaßen. Eine einzige Schwachstelle reiche dem Angreifer. Angewendet würden solche Maßnahmen, "wenn es auf politischem oder diplomatischem Parkett für das Gegenüber nicht mehr weitergeht".