Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) bekommt Unterstützung von ungewohnter Seite: In einem Gastbeitrag für den Spiegel bezeichnete es der frühere Bundesaußenminister und Ex-SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel als fatalen Fehler, "Patriotismus als braune Ideologie oder überholte Sentimentalität abzutun". Die Deutungshoheit darüber, was Heimat und Nation bedeute, sei nicht der extremen Rechten vorbehalten und dürfe ihr gerade jetzt nicht überlassen werden.

"Als aufgeklärter Liberaler", argumentiert Gabriel, könne man sich "natürlich darüber lustig machen", dass das Bundesinnenministerium zu einem Heimatministerium erweitert wurde. "Aber die Wahrheit ist: Die CSU ist eine Volkspartei und hat gespürt, dass demokratische Parteien den Gefühlshaushalt unserer Nation besser nicht ignorieren."

Auch die umstrittenen Aussagen Seehofers zum Islam lohnen laut Gabriel den Streit. "Denn offenbar gibt es zu der Frage, ob der Islam zu Deutschland gehört, nicht nur intellektuell, sondern auch und vermutlich vor allem emotionalen Gesprächsbedarf in der Republik. Den dürfen die Vertreterinnen und Vertreter der Aufklärung nicht scheuen."

Kurz nach seiner Vereidigung hatte Seehofer als neuer Innen- und Heimatminister mit Äußerungen zum Islam provoziert. "Der Islam gehört nicht zu Deutschland", hatte er der Bild-Zeitung gesagt und sich damit gegen einen Satz gestellt, der einst vom früheren Bundespräsidenten Christian Wulff geprägt und auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel verwendet wurde. Seehofer sagte, Deutschland sei durch das Christentum geprägt, fügte zugleich aber hinzu: "Die bei uns lebenden Muslime gehören aber selbstverständlich zu Deutschland" – auch wenn dies nicht bedeute, "dass wir deswegen aus falscher Rücksichtnahme unsere landestypischen Traditionen und Gebräuche aufgeben".

Für Streit sorgten auch Seehofers politische Pläne zu Sammelunterkünften für Flüchtlinge und zum Familiennachzug für Flüchtlinge mit einem subsidiären Schutzstatus. In beiden Projekten gibt es aber inzwischen erste Kompromisse zwischen Union und SPD. Im Fall der sogenannten Ankerzentren kündigte der CSU-Minister erste Pilotprojekte ab August an.