Die ehemalige kommissarische Leiterin der Bremer Außenstelle des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf), Josefa Schmid, hat sich an Bundesinnenminister Horst Seehofer gewandt und um dessen Hilfe gebeten. In einem vierseitigen Schreiben, das NDR und Süddeutscher Zeitung vorliegt, protestiert Schmid gegen ihre Versetzung aus Bremen nach Niederbayern und wirft der Leitung des Bamf erneut Versagen vor. Von Seehofer fordert sie zudem, dass er sich dafür einsetzt, dass sie nach Bremen zurückbeordert wird.

Aus dem Schreiben Schmids geht hervor, dass sie sich als Aufklärerin versteht: "In Bremen stimmt so einiges nicht in Asylverfahren der früheren Jahre, das holt einen dort in der täglichen Arbeit auch ständig ein", schreibt Schmid. Ihre Erkenntnisse seien "zur Aufklärung vor Ort sehr zentral", schreibt sie weiter. "Mit dem Abzug aus Bremen verblassen diese Erkenntnisse und verlieren auch in einem späteren strafrechtlichen Zwischen- und Hauptverfahren Beweiskraft. Daran dürfen Sie eigentlich kein Interesse haben", wendet sie sich an Seehofer. Der Brief ist den Berichten zufolge auf den 13. Mai 2018 datiert.

Ob der Bundesinnenminister den Brief selbst erhalten hat, ist bislang unklar. Sein Ministerium bestätigte den Eingang des Schreibens. Weiter teilte es mit: "Frau Schmid hat am Tag der Amtseinführung von Bundesminister Seehofer am 14. März 2018 erstmals telefonisch im BMI-Ministerbüro nach einem Termin beim Bundesminister angefragt."

Ausführlich beschreibt Schmid den Berichten zufolge, wie sie – offenbar erfolglos – seit Anfang März versucht hatte, Seehofer über die Vorgänge beim Bamf zu informieren. Sowohl über dessen Büro in der Münchner Staatskanzlei als auch über das Ministerbüro in Berlin hatte Schmid demnach versucht, einen Gesprächstermin mit dem designierten Bundesinnenminister zu bekommen. "Meine Kollegen und ich waren uns sicher, dass dies absolute Chefsache für Sie sein müsste", heißt es in dem Brief. Nicht daraus hervor geht, von welchen weiteren Kollegen die Rede ist.

Schmid geht auch juristisch gegen ihre Versetzung vor. Beim Bremer Oberverwaltungsgericht hat sie Beschwerde eingelegt. Nach Angaben eines Gerichtssprechers will sie im Laufe der Woche eine Begründung abgeben. Die Bamf-Zentrale hatte Schmid vergangene Woche in ihre bisherige Dienststelle im bayerischen Deggendorf zurückbeordert, nachdem ein interner Bericht von ihr bekannt geworden war, in dem sie schwere Vorwürfe gegen die Bundesbehörde erhoben hatte.

Mit einem Eilantrag vor dem Verwaltungsgericht hatte sich Schmid vergeblich gegen die Versetzung gewehrt. Nun setzt sie auf die nächste Instanz. Sobald ihre Begründung vorliege, werde das Bamf zu einer Stellungnahme aufgefordert, sagte der Gerichtssprecher. Eine mündliche Verhandlung gebe es bei solchen Verfahren üblicherweise nicht. 

Schmid soll als Zeugin aussagen

Die Staatsanwaltschaft ermittelt unterdessen gegen Schmids Vorgängerin, weil diese mindestens 1.200 Menschen unrechtmäßig Asyl gewährt haben soll. In die Affäre sollen fünf weitere Beschuldigte verstrickt sein, darunter Anwälte und ein Dolmetscher.

Die Staatsanwaltschaft versiegelte das Büro von Schmid, um dort Beweise sicherstellen zu können. Dies sei vorsichtshalber geschehen, damit niemand etwas entferne, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Schmid selber gilt als Zeugin. Die Staatsanwaltschaft will sie im Laufe der Ermittlungen vernehmen.