Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat Kritik an der Haltung der Kirche zum Beschluss der CSU geäußert, der ein Kreuz in jeder bayerischen Amtsstube vorsieht. "Ich finde es irritierend, wenn hohe Kirchenvertreter plötzlich Anstoß nehmen am Kreuz", sagte Spahn der ZEIT-Beilage Christ & Welt. Die Botschaft, die das Kreuz übermittle, sei eine Einladung an den Menschen. 

Auch für Atheisten oder Andersgläubige sei es "beruhigend, in einer Amtsstube auf ein Selbstverständnis zu treffen, das allen Menschen die gleiche Würde zuspricht", sagte Spahn. Er befürworte es, "wenn zur Abwechslung mal Kreuze auf- statt abgehängt werden."

Die katholische Kirche hatte auf den Vorstoß des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) mit Kritik reagiert. Der Münchner Weihbischof Wolfgang Bischof etwa warf Söder vor, das Kreuzsymbol als "Wahlkampflogo" zu instrumentalisieren.

Spahn forderte, die Prioritäten in der Debatte anders zu setzen: Wichtiger als der Streit um das Kreuz sei es, Minderheiten, die wegen ihres Glaubens diskriminiert würden, vor Übergriffen zu schützen. Auch in der Flüchtlingsfrage wünscht sich der Gesundheitsminister mehr Engagement von der Bischofskonferenz. Nach Spahns Darstellung wäre "so manche Aussage, die in der Flüchtlingspolitik zu hören war, glaubwürdiger gewesen, wenn sie gedeckt wäre durch eigenes Tun".

Kritik an Haltung zur Homosexualität

Auch in einem weiteren Punkt forderte Spahn die Kirche zu einem Umdenken auf: Im Umgang mit Homosexualität würden viele Chancen vertan, kritisierte er. Als Beispiel nannte Spahn die Nichtsegnung homosexueller Paare. Mit dieser Praxis mache die Kirche "so viel kaputt."

Er selbst könne als schwuler Mann wie auch als Katholik mit dem Teil der katholischen Lehre, der Homosexuelle zur Keuschheit aufruft, wenig anfangen, sagte Spahn. "Weil ich überzeugt bin, dass Gott mich so nimmt, wie ich bin. Weil mein Glaube so selbstverständlich zu mir gehört wie mein Schwulsein." Er fühle sich von einer Kirche, "wenn sie mich verdammt für das, was ich bin" nicht respektiert.