Wenn am Freitag in Bayern die Kreuzpflicht für die Landesbehörden in Kraft tritt, wird diese nicht für Hochschulen, Museen und Theater des Freistaats gelten. Für diese Häuser gebe es keine Verpflichtung, sondern lediglich eine Empfehlung, sagte eine Sprecherin des Kunst- und Wissenschaftsministeriums in München. Über diese Ausnahme hatte zuvor die Süddeutsche Zeitung berichtet.

In der Geschäftsordnung bayerischer Behörden wird es künftig heißen: "Im Eingangsbereich eines jeden Dienstgebäudes ist als Ausdruck der geschichtlichen und kulturellen Prägung Bayerns gut sichtbar ein Kreuz anzubringen." Die Anordnung kommt von Ministerpräsident Markus Söder (CSU), sie soll von Juni an gelten. Die Sprecherin des Kunst- und Wissenschaftsministeriums sagte nun: "Die Verpflichtung, Kreuze im Eingangsbereich anzubringen, gilt auch für alle Behörden im Bereich des Kunst- und Wissenschaftsministeriums, mit Ausnahme der Hochschulen, Theater und Museen." Dabei handle es sich nicht um eine Korrektur, sondern das sei von Anfang an so geplant gewesen.

Ein Sprecher des Innenministeriums präzisierte, grundsätzlich gelte die Vorschrift für Dienstgebäude, in denen Verwaltungsaufgaben stattfänden. Deshalb werde auch nicht erwartet, dass im Eingangsbereich staatlicher Theater und Museen ein Kreuz angebracht werde. "Wir freuen uns aber über jedes Kreuz, das hängt."

Über die Kreuzpflicht wird seit Wochen diskutiert, Kritiker aus der Opposition und auch aus den Kirchen sehen in ihr den Versuch der CSU, Wähler vor der Landtagswahl im Herbst zu mobilisieren. Söder sprach damals von einem klaren Bekenntnis "zu unserer bayerischen Identität und christlichen Werten". Auch verstoße die Anordnung aus seiner Sicht nicht gegen das Neutralitätsgebot. "Das Kreuz ist das grundlegende Symbol der kulturellen Identität christlich-abendländischer Prägung", so Bayerns Ministerpräsident Ende April.

Im Zuständigkeitsbereich des Wissenschaftsministeriums regte sich jedoch Protest gegen den Erlass – sowohl von Studenten als auch von manchen Wissenschaftlern und Künstlern. So sagte der Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, Michael Krüger, der SZ: "Wir haben nichts gegen Kreuze welcher Art auch immer, nur sollten sie dort hängen, wo sie hingehören: in der Kirche."

Holz, Stahl oder Glas? Behörden können wählen

Für die Umsetzung des Erlasses ist das bayerische Innenministerium zuständig. "Die neue Regelung ist, wie alle anderen verpflichtenden Vorschriften auch, von den nachgeordneten Behörden zu beachten und ordnungsgemäß umzusetzen", sagte ein Sprecher. Im Übrigen gebe es in Bayern viele Behörden, in denen ohnehin schon lange ein Kreuz hänge. Bislang gibt es Kreuze in Klassenzimmern und Gerichtssälen. Für die Behörden des Bundes und der Kommunen in Bayern gilt die Anordnung nicht, da diese nicht der Staatsregierung unterstehen.

Vorgaben zur Gestaltung oder Größe des Kreuzes gibt es nicht – "dies wird sinnvollerweise in den Behörden vor Ort entschieden", sagte der Ministeriumssprecher. "Passt vielleicht in einen Altbau im konkreten Fall ein geschreinertes Holzkreuz besser, ist in einem modernen Neubau vielleicht ein Kreuz aus Stahl oder Glas überzeugender."

Auch in den Kirchen ist der Kreuzerlass umstritten. Als der Münchner Kardinal Reinhard Marx vor einer politischen Vereinnahmung des Kreuzes warnte, erntete er keineswegs nur Zustimmung, sondern auch Widerspruch aus dem Kirchenvolk und von anderen Bischöfen.