Die Attacke auf den neu gewählten Freiburger Oberbürgermeister Martin Horn ist offenbar nicht politisch motiviert gewesen. Das haben erste Ermittlungen des Staatsschutzes ergeben. "Nach aktueller Sachlage liegen Erkenntnisse einer psychischen Erkrankung des mutmaßlichen Täters vor", teilte die Polizei mit.

In einem Video auf seiner Facebook-Seite berichtete Horn von dem Vorfall auf der Wahlparty, wo ihm der 54-Jährige unvermittelt mit der Faust ins Gesicht geschlagen hatte. "Ich habe eine gebrochene Nase, zwei kleine Stiche und einen abgebrochenen Zahn", sagte der neue Oberbürgermeister, der am Abend zuvor nach einem kurzen Aufenthalt im Krankenhaus wieder an den Feierlichkeiten hatte teilnehmen können. Er sei weiter in ärztlicher Behandlung. Zudem sei bei der Attacke seine Brille zerstört worden. "Ich lasse mich davon nicht unterkriegen", sagte Horn. "Mit Blick auf das tolle Wahlergebnis überwiegen Freude und Dankbarkeit."  

Bei dem Verdächtigen handelt es sich den Ermittlern zufolge um einen Mann aus dem Markgräflerland. Er war der Polizei demnach schon aufgrund mehrerer Vorfälle als psychisch auffällig bekannt. Die Polizei schaltete in der Nacht ein Hinweisportal im Internet frei. Dort können Zeugen Bilder und Videos des Angriffs hochladen

Horn hatte bei der Oberbürgermeisterwahl am Sonntag gesiegt und wird zum 1. Juli Nachfolger des Grünen-Politikers Dieter Salomon, der nach 16 Jahren abtreten muss. Im zweiten Wahlgang erhielt er 44,2 Prozent der Stimmen und damit deutlich mehr als der bisherige Amtsinhaber, für den sich 30,7 Prozent der Wählerinnen und Wähler entschieden haben.

Zu Beginn seiner Amtszeit am 1. Juli will sich Horn vor allem dem sozialen Wohnungsbau widmen. So wie in vielen deutschen Städten fehlt es auch in der rund 230.000 Einwohner zählenden und schnell wachsenden Stadt im Breisgau an bezahlbarem Wohnraum. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur sagte Horn, dass davon nicht nur sozial Schwache, sondern auch weite Teile des Mittelstandes, insbesondere Familien mit mehreren Kindern, betroffen seien. "Dies wird einer der Schwerpunkte meiner Politik als Stadtoberhaupt sein."