Die AfD sitzt als größte Oppositionsfraktion im Bundestag, in Dresden und Cottbus gehen Tausende gegen Zuwanderung auf die Straße und obwohl immer weniger Flüchtlinge ins Land kommen, diskutiert das Land nun schon seit Jahren über Abschiebung und Integration. Dem zugrunde liegt eine Entwicklung am Rechten Rand der Gesellschaft. Mit dem Erstarken der AfD ist ein gewaltiges Netzwerk aus Medien, Thinktanks, Financiers und Veranstaltungen entstanden, die sich alle um ein zentrales Thema drehen: die Einwanderung von Muslimen. Die Rechten zeichnen sie in Zeitschriften und Blogs wahlweise als Bedrohung für die europäische Kultur oder als feindliche Invasoren. Die besonders Extremen unter ihnen wollen die aufgeheizte Stimmung in der Gesellschaft nutzen, um einen "Sturz des Systems" herbeizuführen. Hunderttausendfach werden ihre Videos geklickt, ihre Artikel gelesen, ihre Bücher gekauft.

Die ZEIT hat über Monate mit den Protagonisten der Szene gesprochen, interne Unterlagen ausgewertet, Parteitage beobachtet und Demonstrationen besucht. Während unserer Recherchen stießen wir auf ein Netzwerk von fast 100 Organisationen in ganz Deutschland. Die Köpfe der Bewegung schulen Nachwuchskader, sammeln Geld ein, planen Kampagnen und halten Reden, mit denen sie die Grenze der öffentlichen Debatte stetig weiter nach rechts verschieben wollen.

Im Mittelpunkt der Neuen Rechten steht die AfD: Sie ist der parlamentarische Arm der Bewegung, ihre Politiker vertreten die Ideen der Neuen Rechten auf der Straße, in Kommunen und Ländern und mittlerweile sogar im Bundestag. Die Partei unterhält enge Kontakte ins rechtsradikale Milieu, beschäftigt ehemalige Neonazis und lässt sich von rechten Multimillionären sponsern. Die AfD ist der Nukleus, das Kraftzentrum des Milieus.

Vor allem in Berlin, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Sachsen-Anhalt haben die Neuen Rechten Strukturen aufgebaut – das zeigt unsere Karte. Im Westen Deutschlands sitzen die Finanziers, alte konservative Denkfabriken und Verlage. In den neuen Bundesländern entstanden in den vergangenen Jahren Kampagnenbüros und Zeitschriften, auch die Aktivisten der Identitären Bewegung und der völkische Flügel der AfD  sind hier stark vertreten. Viele der Führungsfiguren im Osten stammen aus den alten Bundesländern. Die wichtigsten Organisationen stellen wir hier vor.