Wählerinnen und Wähler der AfD unterscheiden sich in ihren Emotionen stark von denen anderer Parteien – besonders groß sind die Unterschiede zu Wählerinnen und Wählern der Unionsparteien: Wer der AfD nahesteht, blickt deutlich pessimistischer in die Zukunft als der Durchschnitt. Besonders optimistisch sind hingegen Wählerinnen und Wähler von CDU und CSU. Das hat die Konrad-Adenauer-Stiftung in einer repräsentativen Umfrage herausgefunden. Die Ergebnisse der Studie wurden von Norbert Lammert, dem Leiter der CDU-Parteistiftung, vorgestellt.

Demnach stimmten 83 Prozent der AfD-Anhänger der Aussage zu: "Wenn das so weitergeht, sehe ich schwarz für Deutschland." Demgegenüber stehen nur 14 Prozent der Anhänger der Unionsparteien, die das so sehen. Wer der AfD nahesteht, ist in dieser Frage deutlich skeptischer als der Durchschnitt der Befragten: Die durchschnittliche Zustimmung lag bei etwa einem Drittel.

Zur Probe fragten die Forscher außerdem die Zustimmung zur gegenteiligen Aussage ab: "Ich vertraue darauf, dass Deutschland künftige Herausforderungen bewältigt." Dem stimmten 85 Prozent der Unions- und nur 17 Prozent der AfD-Wähler zu.

Anders als gemeinhin angenommen werde, zeige die Studie, dass die Wählergruppen von Union und AfD sich nicht übermäßig nahestünden, sagte Lammert. "Man überschätzt in der Regel rationale Abwägungen und unterschätzt Emotionen bei politischen Entscheidungen", sagte der ehemalige Bundestagspräsident. Unter den Wählerinnen und Wählern der AfD herrsche eine ausgeprägte Angst vor der Zukunft.

Überschneidungen zwischen AfD und Linkspartei

Unter keiner Wählergruppe war die Zustimmung zu der Aussage "Man weiß ja nicht, was die Zukunft bringt, aber ich habe häufig Angst vor dem, was kommen wird" mit 59 Prozent so groß wie unter AfD-Anhängern. Bei der Union lag die Zustimmung dazu bei 19 Prozent, 34 Prozent der Grünen- und SPD-Anhänger sehen das so und nur 22 Prozent der FPD-Anhänger.

Emotional am ähnlichsten sind sich die Wählerinnen und Wähler der AfD mit denen der Linkspartei. Während die Deutschen im Schnitt eher optimistisch bleiben, Linkenwähler tendenziell eher pessimistisch. Von ihnen haben 43 Prozent Angst vor der Zukunft. Wenn es so weitergeht, sehen immerhin 53 Prozent der Linken schwarz für Deutschland. Nur 44 Prozent von ihnen vertrauen darauf, dass Deutschland künftige Herausforderungen bewältigen wird.

CDU-Wähler am optimistischsten

Anhänger der Unionsparteien waren bei sämtlichen erhobenen Fragen die optimistischste Gruppe, noch vor Wählern der FDP und der Grünen. Wobei, so die Forscher, die Korrelation zwischen dem Pessimismus der AfD-Wähler und sozioökonomischen Faktoren, also etwa dem Einkommen, eher gering seien. Auch spielten Faktoren wie Region oder Religionszugehörigkeit keine große Rolle.

Nur in einer Frage gab es große Übereinstimmungen zwischen den Anhängern der Union und denen der AfD: "Wir müssen uns weiterentwickeln, sonst büßen wir Wohlstand ein", dem stimmten 81 Prozent der Wählerinnen und Wähler von CDU und CSU zu. Noch höher war die Rate bei der AfD: 91 Prozent. Allerdings, sagte Lammert, habe man ja nicht die Richtung der gewünschten Veränderung abgefragt. "Da wäre dann wahrscheinlich rausgekommen, dass die einen das Land nach vorn entwickeln wollen, die anderen zurück ins Gestern", sagte Lammert.

Für die Studie wurden drei Erhebungen beauftragt. In einem ersten Schritt wurden vom 14. November bis zum 9. Dezember 2.719 Personen befragt. Eine zweite und eine dritte Welle fanden vom 24. bis 31. Januar (1.428 Personen) und vom 13. bis 21. Februar statt (1.504 Befragte).