Seit dem 6. Mai 2013 findet am Oberlandesgericht München der Prozess gegen die einzige Überlebende der Terrorzelle NSU, Beate Zschäpe, statt. Das Verfahren dauert, weil Zschäpe wenig zur Aufklärung der mutmaßlich zehn Morde und zahlreichen Banküberfälle der rechtsextremen Terrorzelle beigetragen hat. Immer wieder wird der Prozess unterbrochen von Befangenheitsanträgen der Verteidiger von Zschäpe und ihrer mutmaßlichen rechtsextremen Unterstützer.

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5 Angeklagte
sitzen in dem Verfahren.

Sie werden von insgesamt 15 Verteidigern begleitet. Allein Beate Zschäpe hat vier Pflicht- und einen Wahlverteidiger an ihrer Seite.

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24.500 Menschen
haben den Prozess bislang besucht.

Die Zahl ist eine Hochrechnung, die aus Durchschnittswerten nach Erhebungen des Gerichts hervorgeht. Im Schnitt kommen pro Tag 57 Zuschauer. Enthalten sind darin auch Mehrfachbesucher, etwa Journalisten, die nahezu jeden Tag vom Prozess berichten. In dem Saal gibt es 101 Plätze, 50 davon sind für Journalisten vorgesehen. Wegen des enormen Andrangs an Medienvertretern wurden Reservierungen für diese Sitze verlost. Vorausgegangen war ein langwieriger Streit um die richtige Art der Platzvergabe, der sogar vor dem Bundesverfassungsgericht landete.

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815 Zeugen und Sachverständige
hat das Gericht im Laufe der Jahre geladen.

Zum Beispiel den psychiatrischen Gutachter Henning Saß, der Zschäpe für voll zurechnungsfähig und eine kühl kalkulierende Mittäterin der Taten ihrer beiden Freunde Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos hält. In dieser Zahl sind allerdings auch Mehrfachladungen und Zeugen, die letztlich doch nicht gehört wurden, enthalten.

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93 Nebenkläger
nehmen am Prozess teil.

Es sind Angehörige der Mordopfer und bei den Anschlägen Verletzte – zum Beispiel Elif Kubasik, die Ehefrau des 2006 getöteten Dortmunder Kioskbesitzers Mehmet Kubasik. Vertreten werden die Nebenkläger von ungefähr 60 Rechtsanwälten. Es handelt sich um schwankende Zahlen: Während des Prozesses kamen Nebenkläger dazu. Ein Angehöriger gab seine Teilnahme wegen der emotionalen Belastung auf, eine weitere als Protest gegen das Plädoyer ihrer Anwältin, ein Mann starb, bei einer Nebenklägerin stellte sich heraus, dass sie gar nicht existierte.

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280.000 Seiten Ermittlungsakten
hatten sich zu Prozessbeginn angesammelt, geheftet in mehr als 600 Ordner.

Seitdem sind Tausende Seiten an Stoff aus dem Verfahren hinzugekommen. Die Prozessbeteiligten erhalten das Aktenmaterial auf CDs – gehen mit dem sensiblen Stoff aber offenbar nicht immer sorgfältig um: Im September 2015 wurde auf einem Bürgersteig in Köln eine CD mit Gerichtsdokumenten gefunden.

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2,5 Jahre
Auf diese Zeitspanne schätzte der damalige Präsident des Münchner Oberlandesgerichts, Karl Huber, die Verfahrensdauer vor Beginn des Prozesses.

Am 6. Mai 2018 ist die Marke von fünf Jahren eingestellt worden. Das vollständige Zitat Hubers lautete übrigens: "Ich rechne mit neun Monaten bis zweieinhalb Jahren."

2 von acht Richtern haben den Prozess inzwischen verlassen: Eine Richterin wechselte an den Bundesgerichtshof, eine andere ging in den vorzeitigen Ruhestand. Über das Urteil befinden allerdings nur 5 Richter, drei waren von Anfang an als Reserve für die Ausgeschiedenen eingeplant.

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9 weitere Ermittlungsverfahren
laufen bei der Bundesanwaltschaft gegen mutmaßliche Helfer des NSU-Trios.

Zum Beispiel gegen Matthias D. Der Fernfahrer aus Zwickau soll mehrmals Wohnungen unter seinem Namen für den NSU gemietet haben – darunter auch die letzte Bleibe in der Frühlingsstraße 26 in Zwickau. Im Erzgebirge, seiner Heimat, war er Anführer einer Organisation von Rechtsradikalen. Im Juli 2014 verweigerte er vor Gericht die Aussage. Auch gegen einen Bekannten, der dem Trio Sprengstoff geliefert haben könnte, ermittelt die Karlsruher Behörde sowie gegen mutmaßliche Waffenbeschaffer. Juristisch ist der NSU-Komplex nach dem Münchner Prozess also noch nicht erledigt.

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28 Millionen Euro
hat der Prozess mindestens an zusätzlichen Kosten für den Staat verursacht.

Der größte Posten sind die Honorare für die Anwälte, die sich bis Ende April auf gut 23 Millionen Euro belaufen haben. Zudem wurde der Gerichtssaal vor Prozessbeginn für 1,25 Millionen Euro saniert. Die restlichen Kosten entstehen durch Material, Technik, Sanitäts- und Sicherheitsdienst. Andere Posten sind nicht direkt dem Prozess zuzurechnen, weil etwa Richter und Wachtmeister ohnehin ihr laufendes Gehalt bekommen. Eine früher kursierende Zahl von 150.000 Euro pro Sitzungstag weist die Pressestelle des Oberlandesgerichts als unzutreffend zurück.