Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) will eine deutliche Erhöhung des Mindestlohns in Deutschland erreichen. "Damit man auch im Alter von seiner Rente leben kann, muss der Mindestlohn bei zwölf Euro liegen", sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). "Man kann Menschen nicht ein ganzes Leben arbeiten lassen und ihnen dann im Alter sagen: Geh doch zum Amt", so Tschentscher.

Wer in Vollzeit arbeite und dafür wie derzeit 8,84 Euro die Stunde bekomme, werde nicht genug haben, um Kinder großzuziehen oder im Alter ohne staatliche Unterstützung auszukommen, sagte der Politiker weiter. "Das ist nicht vertretbar." Tschentscher hat nach der Regierungsbildung im Bund die Nachfolge von Olaf Scholz (SPD) angetreten, der an die Spitze des Bundesfinanzministeriums wechselte.

Dem Bericht zufolge schwebt Tschentscher ein schrittweises Vorgehen vor. "Wir werden in Hamburg den Anfang machen. Für alle öffentlichen Unternehmen wollen wir mit den Gewerkschaften Tarifverträge vereinbaren, die zu einem Mindestlohn von zwölf Euro pro Stunde führen", sagte er. Die Wertschöpfung in Deutschland reiche aus, um allen faire Löhne zu zahlen. Diese Pläne für Hamburg hatte Tschentscher bereits im März schon einmal öffentlich geäußert.

Die Linke fordert schon seit Längerem eine Erhöhung der Lohnuntergrenze auf zwölf Euro. Auch die Grünen sind für eine deutliche Erhöhung, nennen aber keine konkrete Zahl. Auch der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert hatte zuletzt dieselbe Forderung erhoben. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte jüngst darauf hingewiesen, dass die unabhängige Mindestlohnkommission im Sommer Vorschläge für die für Anfang 2019 geplante Erhöhung vorlege, "die wir dann gesetzgeberisch umsetzen".