Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) stellt sich gegen die Forderung nach einer Zuckersteuer. Eine Steuer klinge vielleicht gut, ob sie aber die Fehl- und Überernährung verhindert, sei zu bezweifeln. "Eine ausgewogene Ernährung ist keine Frage des Geldbeutels", sagte sie der Bild am Sonntag.

Ein Bündnis aus mehr als 2.000 Ärzten, Fachorganisationen und Krankenkassen hatte Mitte der Woche an die Bundesregierung appelliert, eine Zuckersteuer, verständlichere Kennzeichnungen, Werbeverbote und Standards für die Schul- und Kitaverpflegung einzuführen. Nur mit solchen Maßnahmen zum Schutz der Menschen vor ungesunder Ernährung könnten auch bildungsferne Schichten erreicht werden, hieß es.

Die Einführung einer Steuer auf gesüßte Getränke könne ein Anreiz für Hersteller sein, den Zuckergehalt zu senken, so das Argument des Bündnisses. Die Einnahmen daraus ermöglichten es, Obst und Gemüse billiger zu machen.

Durch eine Strafsteuer würden nicht alle gesund, sagt hingegen Klöckner: "Vielmehr müssen wir den Lebensstil und die Gesamtkalorienzahl in den Blick nehmen." Als Beispiel nannte sie der Bild am Sonntag eine "bessere Ernährungsbildung von der Kita an, theoretisch wie praktisch".

Aufklärung allein reiche nicht, hatte dagegen das Bündnis betont. "Wir haben einfach keine Geduld mehr", hatte der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVJK), Thomas Fischbach, über die gemeinsame Initiative gesagt. Ärzte sähen, dass die Gesundheit der Menschen in Deutschland drastisch leide.

Klöckner gab sich überzeugt, dass es möglich ist, sich günstig gesund zu ernähren. Fertigprodukte seien im Vergleich zu Rohwaren oft teurer. "Wer mit frischen Lebensmitteln selbst kocht, kann sich gesund und durchaus günstig ernähren", sagte die Ministerin der Zeitung. "Mein Eindruck ist, dass viel mehr in die Kücheneinrichtungen investiert wird als in die Nahrungsmittel, die darin zubereitet werden."