Der Bundestagsabgeordnete Martin Reichardt ist mit großer Mehrheit zum neuen Landesvorsitzenden der AfD in Sachsen-Anhalt gewählt worden. Der 48-Jährige bekam beim Parteitag in Magdeburg 254 von 310 Stimmen. Somit tritt Reichardt die Nachfolge von André Poggenburg an, der im März nach einer Hetzrede gegen die türkische Gemeinde in Deutschland zurückgetreten war.

Nach seiner Wahl rief Reichardt den zerstrittenen Landesverband zu Geschlossenheit auf und verwies dabei auf die AfD-Bundestagsfraktion als Vorbild. Er wolle die AfD zu einer "sozialen und patriotischen Volkspartei" machen. Die AfD müsse zudem bereit sein, Verantwortung zu übernehmen und sich für eine Regierungsbeteiligung öffnen, sagte Reichardt. Seine Kandidatur war auch von Poggenburg unterstützt worden.

Reichardt wurde in Goslar geboren und engagierte sich in seiner Jugend bei den Jusos, der Nachwuchsorganisation der SPD. Dort habe er jedoch den Patriotismus vermisst, sagte er dem MDR. Deshalb wechselte er zu den rechtskonservativen Republikanern und war später auf kommunalpolitischer Ebene für die FDP aktiv. Seit 2015 ist der studierte Sozialpädagoge und Ex-Berufssoldat Mitglied der AfD.

Zuletzt hatte unter anderem die rassistische Hetzrede von Poggenburg für innerparteiliche Konflikte gesorgt. Er hatte dabei in Deutschland lebende Türken unter anderem als "Kümmelhändler" und "Kameltreiber" bezeichnet. Der AfD-Bundesvorstand mahnte ihn daraufhin ab. Auch eine geheime Vertrauensabstimmung in der Landtagsfraktion ging zu Ungunsten Poggenburgs aus – der daraufhin zurücktrat. Die Staatsanwaltschaft Dresden untersuchte den Fall, stellte Anfang der Woche aber die Ermittlungen ein. Dem Urteil  zufolge sind seine Äußerungen weder als strafbare Volksverhetzung noch als Beleidigung einzuordnen.