FDP und Grüne haben die Bundesregierung vor einem Alleingang bei der Zurückweisung von Flüchtlingen gewarnt. Politiker der beiden Parteien kritisierten die Forderung des CSU-Landesgruppenchefs Alexander Dobrindt, der nicht asylberechtigte Migranten öfter schon an den Grenzen abweisen lassen will. Vor einem solchen Schritt müsse sich die Regierung mit der Europäischen Union abstimmen, kritisierten sowohl Grüne als auch FDP. "Selbstverständlich müssen wir zu den Regeln von Dublin zurückkehren", sagte FDP-Chef Christian Lindner den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Ich warne allerdings vor einem deutschen Alleingang. Wir können nicht ohne Absprache mit anderen in Europa zum alten Recht zurückkehren." Von den Grünen forderte Lindner, sich der Einstufung weiterer Staaten als sichere Herkunftsländer nicht mehr zu widersetzen. Das betrifft etwa Länder in Nordafrika. Als Kompromiss schlug er vor: "Für besonders sensible Gruppen aus diesen Ländern kann man Ausnahmen machen. Das betrifft dann aber nur zwei, drei Prozent der Fälle."

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) kritisierte Dobrindts Vorstoß ebenfalls. Er warf dem CSU-Landesgruppenchef vor, mit seiner Forderung "die Axt an Europa" anzulegen. Wenn Flüchtlinge an der Grenze zurückgewiesen werden sollten, die bereits in einem anderen EU-Land Asyl beantragt hätten, landeten sie wieder in Italien und Griechenland. "Mit der neuen antieuropäischen Regierung in Rom wird das nicht gut gehen", sagte Kretschmann. "Man kann das nur europäisch lösen und nicht bayerisch."

Dobrindt hatte vorgeschlagen, wieder der Rechtslage des Dublin-Abkommens zu folgen. Laut dem Abkommen müssen Menschen in dem EU-Land Asyl beantragen, das sie zuerst betreten haben. Derzeit werden Migranten ins Land gelassen, wenn sie in Deutschland Asyl begehren, erst später wird geprüft, ob sie in der EU bereits registriert wurden. Dobrindt möchte das ändern. Ob jemand in einem anderen EU-Land bereits ein Asylverfahren begonnen habe, lasse sich inzwischen mithilfe der EU-Fingerabdruckdatei Eurodac feststellen, sagte er. 

Zuvor hatte Dobrindt bereits angekündigt, Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) werde in der kommenden Woche weitere Details seines "Masterplans Migration" vorstellen. Darin werde der CSU-Chef "das ganze Asylsystem wieder vom Kopf auf die Füße stellen". Zu Seehofers "Masterplan" gehören auch die umstrittenen Ankerzentren. In diesen Zentren sollen Asylbewerber künftig für die gesamte Dauer ihrer Antragsprüfung untergebracht werden. Im Koalitionsvertrag haben Union und SPD vereinbart, solche Zentren zu schaffen.