Der AfD-Bundesvorsitzende Jörg Meuthen ist zu Aussagen seines Co-Vorsitzenden Alexander Gauland auf Distanz gegangen. "Der Herrn Gauland angelastete Satz – insbesondere die Bezeichnung "Vogelschiss" – ist in der Tat ausgesprochen unglücklich und die Wortwahl unangemessen", sagte Meuthen ZEIT ONLINE. Er verteidigte Gauland allerdings gegen die Kritik, mit seiner Äußerung in einer Rede auf dem Bundeskongress der AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative am Samstag die NS-Zeit verharmlost zu haben. "Im Kontext seiner Rede wird jedoch vollkommen deutlich, dass er dort in gar keiner Weise die entsetzlichen Gräueltaten der Nazizeit verharmlost oder relativiert hat, wie ihm nun reflexartig unterstellt wird", sagte Meuthen.

Gauland, der auch Vorsitzender der Bundestagsfraktion ist, hatte im thüringischen Seebach Empörung ausgelöst mit den Worten, Hitler und die Nazis seien "nur ein Vogelschiss in über 1.000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte". Dieser mit Beifall aufgenommene Satz fiel nach einem Bekenntnis von Gaulands zur Verantwortung der Deutschen für den Nationalsozialismus von 1933 bis 1945. Zum wiederholten Mal löste Gauland durch seine Thesen zum Umgang mit der deutschen Geschichte breiten Widerspruch aus. 

Der Co-Vorsitzende der AfD hatte vor einiger Zeit die Leistungen der deutschen Soldaten der Wehrmacht gelobt. Zudem behauptete er, die Deutschen wollten den Fußballprofi Jérôme Boateng nicht als Nachbarn. Kritisiert wurde auch seine Aussage, man müsse die türkischstämmige SPD-Politikerin Aydan Özoğuz "in Anatolien entsorgen".

Andreas Kalbitz, Beisitzer im Bundesvorstand, sagte ZEIT ONLINE, "diskutabel ob der kontextualen Angemessenheit mag die Wortwahl sein, die ich persönlich so nicht getroffen hätte". Doch Gaulands Äußerung sei faktisch "nicht missverständlich, sondern deutlich" gewesen: "Im klaren Bekenntnis zur Verantwortung, dem Unwert des Nationalsozialismus und dem erwähnten Beitrag des Judentums zur deutschen Ideengeschichte."

Auch aus dem Lager der parteiintern Gemäßigten kam Kritik. "Gauland sollte sich entschuldigen", forderte Bundesvorstands-Beisitzer Steffen Königer im Gespräch mit ZEIT ONLINE. Gauland habe mit dem "dissonanten Wort" Vogelschiss "die Stoßrichtung seiner Rede vollkommen verändert". Der brandenburgische Vertreter in der parteiinternen Interessengemeinschaft Alternative Mitte (AM) sagte weiter, "von einem Vollprofi wie Gauland hätte ich das anders erwartet." Der AM-Mitgründer und AM-Bundessprecher Uwe Witt aus Nordrhein-Westfalen forderte ebenfalls eine Entschuldigung Gaulands. Der größte Massenmörder Deutschlands, Hitler, sei "beileibe kein Vogelschiss", schrieb er auf Facebook. Witt ging deutlich auf Distanz zu Gauland und entschuldigte sich "bei allen jüdischen Mitbürgern und den Opfern des Naziregimes sowie deren Familien für diese unglaubliche Bagatellisierung durch unseren Parteivorsitzenden". Zudem beklagte der Bundestagsabgeordnete Schäden für die Arbeit der Partei, wie er ZEIT ONLINE sagte: "Wir machen uns die sachpolitische Arbeit kaputt durch die permanente retrospektive Betrachtung."