Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) hat Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) aufgefordert, der Bundeskanzlerin bei der Suche nach Lösungen mit den Nachbarstaaten in der Flüchtlingsfrage zu unterstützen. "Auch er könnte dazu Gespräche führen", sagte Hans der Saarbrücker Zeitung. "Es reicht nicht, sich zurückzulehnen und nur abzuwarten."

Aus Sicht der CSU muss Kanzlerin und CDU-Vorsitzende Angela Merkel bis zum EU-Gipfel Ende des Monats weitreichende Vereinbarungen in dieser Frage präsentieren. Andernfalls will CSU-Chef und Bundesinnenminister Horst Seehofer im Alleingang Asylbewerber an der Grenze abweisen lassen. Merkel hatte deutlich gemacht, dass sie in diesem Fall von ihrer Richtlinienkompetenz als Kanzlerin Gebrauch machen will, um das zu unterbinden. Als Folge könnte Seehofer als Minister entlassen werden – und die Koalition aus CDU, CSU und SPD wäre am Ende.

Beide Protagonisten treffen an diesem Mittwoch bei einer Veranstaltung zum Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung in Berlin aufeinander. Parallel dazu wird Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) im österreichischen Linz mit einem anderen Kritiker des Merkel-Kurses über die Flüchtlingspolitik beraten: mit Österreichs Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP). Das Treffen ist seit Monaten geplant und hat wegen des erbitterten Streits nun besondere Brisanz. Österreich übernimmt zum Juli die EU-Ratspräsidentschaft und könnte dann – so Söders Hoffnung – die Zuwanderungsfrage im Sinne der Hardliner beeinflussen.

Die Flüchtlingsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz, stellte sich hinter Merkel. "Nationale Alleingänge, Schuldzuweisungen zwischen Freunden und populistische Hetze tragen nichts zur Beseitigung der weltweiten Fluchtursachen und zur Lösung der Herausforderungen bei, vor denen wir stehen", sagte die CDU-Politikerin der Passauer Neuen Presse. Der CDU-Vizevorsitzende Thomas Strobl forderte die CSU auf, sich im Ton zu mäßigen. "Jegliches Sperrfeuer ist einzustellen", sagte der Baden-Württemberger der Rheinischen Post. Man könne über Sachfragen diskutieren. "Doch die Tonalität, die wir teilweise aus der CSU hören, wird als unangemessen empfunden."

Zumindest Bayerns Innenminister Joachim Herrmann stimmt versöhnliche Töne an, ohne sich allerdings in der Sache zu bewegen. "Die CSU will keinen Bruch mit der CDU", sagte der Christsoziale der Passauer Neuen Presse. Es sei wichtig, das partnerschaftliche Verhältnis und die Fraktionsgemeinschaft im Bundestag zu erhalten. Die CSU stehe auch hinter den Bemühungen der Kanzlerin auf europäischer Ebene – aber: "Bayern ist für die notwendigen Kontrollen gewappnet."