Die Frage musste kommen. Die Frage nach den Asylzentren außerhalb Europas. Dimitris Avramopoulos, der für Migrationspolitik zuständige EU-Kommissar beantwortete sie auf am Donnerstag auf einer Pressekonferenz routiniert mit einer Gegenfrage: "Kennen Sie ein Land, das sich angeboten hat?" Nein, natürlich nicht. Es gibt kein Land außerhalb Europas, das sich freiwillig anböte, auch nur Tausende Menschen aufzunehmen, die Zuflucht in Europa suchen. Solange das so ist, muss man darüber nicht reden. Das jedenfalls sagt Dimitris Avromopoulos.

Geredet wird darüber aber trotzdem, und zwar auf höchster Ebene. Den Anfang machte vor zwei Wochen der dänische Premierminister Lars Løkke Rasmussen. Man überlege, Asylzentren außerhalb von Europa zu errichten. Er fügte drohend hinzu: "Asylzentren an unattraktiven Orten." Typisch Dänemark, könnte man denken. Es ist ja nicht erste Mal, dass die Dänen in Sachen Flüchtlinge einen harten Sonderweg gehen. Doch wenige Tage später äußerte sich auch der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz bei seinem Besuch in Brüssel zu dem Thema. Kurz formulierte es nur freundlicher als die Dänen: "Wir überlegen, wie wir Zentren außerhalb Europas errichten können, in denen Menschen Schutz finden können!"

Schon Otto Schily hatte die Idee

In Brüssel hieß es aus Kreisen der Kommission, die Idee sei ursprünglich ohnehin eine österreichische gewesen. Der dänische Premier habe nur den Eisbrecher gespielt. Aber ist das Eis denn gebrochen?

Nun, die Idee ist nicht neu. Im Jahr 2004 sprach der damalige deutsche Innenminister Otto Schily davon, "in Nordafrika probeweise eine Außenstelle" für Asylbewerber zu errichten. Er wurde für diesen Vorschlag heftig kritisiert. Schily galt vielen deshalb als verantwortungsloser Traumtänzer.

14 Jahre später scheinen Schilys Ideen innerhalb der EU offenbar mehrheitsfähig zu werden. Als der neue italienischen Premierminister Giuseppe Conte vergangene Woche nach Paris zum Antrittsbesuch kam, brachte er eine Forderung mit: Asylzentren in Nordafrika. Das sei der einzige Weg, so Conte, um das Sterben im Mittelmeer zu beenden und den Druck von Italiens und damit Europas Küsten zu nehmen. Manfred Weber, Fraktionschef der EVP sagte kürzlich bei der Plenartagung des Europaparlaments: "Wir brauchen Hotspots außerhalb der Europäischen Union." EU-Ratspräsident Donald Tusk verlangte zwei Tage später die "Entwicklung eines Konzeptes regionaler Ausschiffungszentren" – was eine ziemlich umständliche Umschreibung für Asylzentren außerhalb Europas ist. Am Sondertreffen zur Flüchtlingspolitik soll auch darüber geredet werden.