Das Projekt wird sehr viel teurer als geplant. Noch vor seiner Fertigstellung zeigen sich so viele Mängel, dass sich der Start um Jahre verzögert. Und es ist schon veraltet, bevor es überhaupt offiziell in Dienst gestellt werden kann. Gemeint sind nicht der Berliner Flughafen BER oder Stuttgart 21, sondern ein Rüstungsprojekt. Es geht um die Fregatten der neuen Klasse F 125 der Bundeswehr.

Vier solcher Fregatten hatte das Bundesverteidigungsministerium 2007 bei einem deutschen Werftkonsortium bestellt, zwei hätten inzwischen längst unter der Flagge der Marine fahren sollen. Nach mehreren Verzögerungen sollte das erste Schiff dann 2017 endlich in Dienst gestellt werden. Doch auch dazu kam es nicht. Die Marine lehnte es ab, das Schiff von dem Konsortium zu übernehmen. Das könnte, so teilt es das Verteidigungsministerium auf Nachfrage mit, nun im September 2018 nachgeholt werden – "erfolgreicher Funktionsnachweis vorausgesetzt".

Dieser Halbsatz ist wichtig. Denn am Funktionstest ist die Übergabe bislang gescheitert. Als die Bundeswehr das erste Schiff dieser Klasse, die Fregatte F222 Baden-Württemberg im Dezember 2017 testete, fielen den Prüfingenieuren gravierende Mängel auf. Sie schickten das Schiff in die Werft zurück.

Selbst wenn nun fast ein Jahr später abermals getestet wird, wird die Baden-Württemberg noch lange keine Einsätze fahren. Ein interner Mängelbericht des Verteidigungsministeriums, der ZEIT ONLINE vorliegt, geht davon aus, dass die "volle Verfügbarkeit" der Fregatte erst von 2021 an gewährleistet werden kann – Jahre später als geplant.

Bei dem Test im Dezember 2017 hatten die Ingenieure der Marine festgestellt, "dass das Schiff nicht das kann, was es laut Vertrag können soll", wie ein Sprecher des Rüstungsamtes ZEIT ONLINE sagte. Es sei "nicht die für eine Abnahme erforderliche Reife erreicht" worden.

Das ist sehr zurückhaltend formuliert. Aus weiteren Berichten und aus der internen Mängelliste lässt sich ersehen, warum die Marine die Baden-Württemberg nicht wollte. Kaum eines der für ein Kriegsschiff notwendigen Systeme funktionierte:

Gehirn und Radar arbeiten nicht

Das sogenannte FüWES, das elektronische Führungs- und Waffeneinsatzsystem, hat Macken. Auf modernen Kriegsschiffen werden alle Radardaten, alle Informationen über das Wetter, über den Kampfauftrag und den Gegner von einem Computersystem verarbeitet. Gleichzeitig werden darüber auch die Waffen gesteuert. Nur so können sich schnell bewegende Ziele wie Raketen oder Jets erfasst, erkannt und beschossen werden. Das FüWES ist das Gehirn des Schiffes, das all diese Daten verarbeitet. Leider hat das Gehirn der neuen Fregatte Seh- und Rechenschwächen. Unter anderem funktionierte die Zielerfassung nicht korrekt.

Schon 2014 hatte die Unternehmensberatung KMPG in einer Bestandsaufnahme großer Rüstungsprojekte vor dem Risiko gewarnt, dass "aufgrund eines nicht vorhandenen und nicht umgesetzten Konzeptes für das Patch- und Release-Management" die Soft- und Hardware der Fregatten "nicht den funktionalen und administrativen Anforderungen entspricht". Mit anderen Worten: Das Ministerium hatte es versäumt, dafür zu sorgen, dass die Computertechnik aktualisiert und Fehler in der Software behoben werden. Die Probleme waren absehbar.

Das Radarsystem KORA funktioniert nicht. Auf der vorderen Aufbauinsel der Fregatte ist ein Antennensystem installiert, das rund um das Schiff fremde Radar- und Kommunikationsausstrahlungen erfassen und analysieren soll. Doch dieses System namens KORA erfüllt laut des internen Mängelberichts bislang nicht "die vertraglichen Anforderungen". Die Besatzung kann das Schiff nicht gegen anfliegende Raketen verteidigen, weil KORA nicht die nötigen Daten für die Luftabwehr liefert, vor allem für die Nahverteidigung namens RAM (Rolling Airframe Missile). Das Verteidigungsministerium will dazu offiziell nichts sagen. "Sollten Probleme bestehen, so werden diese im kooperativen Miteinander angegangen. Wir sehen die Industrie in der Verpflichtung, die Anforderungen zu erfüllen", sagte der Sprecher.