Der Beitragssatz zur Pflegeversicherung wird im kommenden Jahr steigen: Laut Berechnungen des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung sowie des Gesundheitsministeriums muss der Beitragssatz um 0,3 Prozentpunkte erhöht werden. Zurzeit liegt er bei 2,55 Prozent des Bruttolohns. Kinderlose zahlen 2,8 Prozent.

Hintergrund ist, dass viele Menschen im Zuge der Reformen der vergangenen zwei Jahre Pflegeleistungen in Anspruch nehmen. Dadurch zeichnet sich bei den Versicherern bis Ende des Jahres ein Defizit von mehr als drei Milliarden Euro ab – das damit dreimal so hoch ist wie erwartet. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte Mitte Mai einen Kassensturz und eine Gesamtschau über die Kosten angekündigt. 

Ausbildung: moderner und einheitlich

Die Bundesregierung ist zudem bemüht, den Pflegeberuf attraktiver zu gestalten und hat eine Reform der Ausbildung von Fachkräften beschlossen. Dazu gehört etwa eine Zusammenführung der bislang getrennten Ausbildungsgänge für Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpfleger. Der Gesundheitsminister bezeichnete das als wichtigen Schritt, um den Pflegeberuf moderner und attraktiver zu gestalten. 

Die neue Verordnung, die noch vom Bundestag und Bundesrat gebilligt werden muss, soll ab 2020 gelten. Sie sieht vor, dass es eine gemeinsame zweijährige Ausbildung für alle Pflegekräfte gibt. Im dritten Jahr kann entweder die allgemeine Ausbildung fortgesetzt oder eine Spezialisierung gewählt werden – für die Pflege von Kindern oder alten Menschen. Auch finanziell soll die Ausbildung attraktiver werden: Das teilweise noch zu bezahlende Schulgeld soll abgeschafft werden und die Auszubildenden eine Ausbildungsvergütung erhalten. 

Familienministerin Franziska Giffey (SPD) sagte, alle Auszubildenden bekämen so erstmals die Möglichkeit, einen Berufsabschluss zu erwerben, der "automatisch europaweit anerkannt sein wird und der ihnen neue Karriereperspektiven eröffnet. Die Ausbildung wird endlich kostenfrei, sodass sich niemand mehr die Frage stellen muss: Kann ich es mir leisten, Pflegefachfrau oder -mann zu werden?"