Das Bundesgesundheitsministerium will HIV-Selbsttests ab Herbst im freien Verkauf zugänglich machen. Dies berichten die Zeitungen der Funke Mediengruppe unter Berufung auf das Ministerium. "Der HIV-Selbsttest ist ein Meilenstein beim Kampf gegen Aids. Er kann auch jene erreichen, die sich sonst nicht testen lassen würden", sagte Minister Jens Spahn (CDU).

In Deutschland leben nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts etwa 12.700 Menschen mit HIV, ohne es zu wissen. Insgesamt sind in der Bundesrepublik knapp 90.000 Menschen mit dem Erreger der Immunschwächekrankheit Aids infiziert.

In Österreich darf schon seit diesem Monat ein HIV-Selbsttest in Apotheken gekauft werden. Bei den Selbsttests kann eine Infektion etwa zwölf Wochen nach einer Ansteckung festgestellt werden.

Spahn sagte, je früher Betroffene die Diagnose HIV kennen würden, desto früher könnten sie gut behandelt werden. "Und andere haben bei Unsicherheit die Chance auf schnelle Gewissheit, nicht infiziert zu sein." Bislang dürfen HIV-Schnelltests in Deutschland nur an Ärzte, ambulante und stationäre Einrichtungen des Gesundheitswesens, Blutspendedienste und Beratungseinrichtungen abgegeben werden.

Bei der Deutschen Aids-Hilfe stieß Spahns Vorstoß auf positive Reaktionen. Dies werde dazu beitragen, "dass mehr Menschen möglichst früh von ihrer HIV-Infektion erfahren und eine Therapie in Anspruch nehmen können", sagte Vorstandsmitglied Sylvia Urban. Das verhindere laut Urban Aids-Erkrankungen und weitere HIV-Übertragungen. Wie die Aids-Hilfe mitteilte, senke die Möglichkeit den HIV-Test zuhause durchführen zu können, die Hemmschwelle für Betroffene, da sich viele aus Angst oder Scham davor scheuen, in einer Apotheke oder beim Arzt danach zu fragen.