Innenminister Horst Seehofer hat die Position der CSU im Asylstreit mit der CDU bekräftigt – aber zugleich Einigungsbereitschaft signalisiert. Er könne zwar "nicht garantieren", dass der Versuch gelingen werde, den Konflikt "vernünftig unter Aufrechterhaltung der beiderseitigen Glaubwürdigkeit zu lösen", sagte der CSU-Chef in einem 75-minütigen Interview in der ARD-Sendung "Maischberger", "aber der feste Wille ist da." Die Lage sei dennoch ernst.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will sich am Donnerstag und Freitag beim EU-Gipfel in Brüssel um eine europäische Lösung bemühen. Wenn das gelinge, sagte Seehofer, dann sei die Frage eines nationalen Alleingangs erledigt. Er will anordnen, dass in einem anderen EU-Land registrierte Asylbewerber an der deutschen Grenze abgewiesen werden. Merkel lehnt dies ohne Abstimmung mit den EU-Partnern ab. Sie will beim EU-Gipfel eine europäische Regelung mit bilateralen Rücknahme-Vereinbarungen erreichen.

Seehofer wies die Vorwürfe einer drastischen Eskalation zurück. "Ich kenne bei mir in der Partei niemand, der die Regierung gefährden will in Berlin, der die Fraktionsgemeinschaft auflösen möchte mit der CDU oder der gar die Kanzlerin stürzen möchte." Die Frage, ob er Merkel raten würde, im Bundestag die Vertrauensfrage zu stellen, verneinte Seehofer. "Das würde nochmal eine Dramatik hineinbringen, die ich gar nicht will." Auf die Frage, ob er sicher sei, dass er mit Merkel noch arbeiten könne, sagte Seehofer: "Ja." Er ergänzte: "Wir reden miteinander, wir versuchen, Lösungen zu finden."

Seehofer sagte, es gebe Situationen in der Politik, wo man eine Überzeugung habe – "dann ist die Überzeugung wichtiger als das Amt". Erneut äußerte er Kritik an der Drohung von Kanzlerin Merkel, notfalls ihre im Grundgesetz verankerte Richtlinienkompetenz einzusetzen. Er habe die Richtlinienkompetenz in die Debatte nicht eingeführt, sagte Seehofer. Merkel habe das ihm gegenüber nicht erwähnt, er habe dies aus der Presse erfahren. "Das ist emotional ein schwieriger Moment."

Das Anliegen seiner Partei sei, der Bevölkerung in der Migrationspolitik sagen zu können: "Wir haben diese Sache jetzt im Griff." Seehofer wies Kritik auch aus der CDU zurück, der CSU gehe es um einen Rechtsruck: "Wir bleiben eine Volkspartei der Mitte und vertreten auch das demokratische rechte Spektrum." Er betonte: "Wir wollen die AfD nicht rechts überholen."