Das geistliche Oberhaupt des Irans, Ajatollah Ali Chamenei, will den Konflikt im Nahen Osten durch eine Volksabstimmung lösen, an der sich die Mehrheit der Israelis nicht beteiligen können soll. Chamenei wurde am Sonntagabend von der amtlichen Nachrichtenagentur Irna mit dem Vorschlag zitiert, an einer solchen Volksabstimmung sollten "alle echten Palästinenser" teilnehmen. Das seien Muslime, Juden und Christen, die ihre Wurzeln auf die Zeit vor der Gründung des Staates Israel vor 70 Jahren zurückführen könnten.

Chamenei ging nicht auf das Schicksal der großen Mehrheit der jüdischen Bevölkerung Israels ein, die nach dem Zweiten Weltkrieg und nach der Staatsgründung 1948 nach Israel kam. Beobachter sahen in dem Referendumsvorschlag eher einen Versuch zur Relativierung voriger israelfeindlicher Äußerungen Chameneis und der iranischen Führung. Anfang Juni war über Chameneis Twitter-Konto verbreitet worden, Israel sei "ein bösartiges Krebsgeschwür in der westasiatischen Region, das entfernt und ausgemerzt werden muss: Es ist möglich und wird geschehen."

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu reagierte darauf bei einer Pressekonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin mit dem Satz: "Iran ruft zu unserer Zerstörung auf, aber strebt auch nach Atomwaffen, um seinen Völkermordplan auszuführen."

Chamenei sagte am Sonntag, Netanjahus Darstellung, der Iran wolle Juden vernichten, sei eine Lüge. Iran würde Israel nur zur Selbstverteidigung angreifen und hege keine Feindseligkeit gegen Juden als religiöse Gemeinschaft.

Iran hat die größte jüdische Gemeinde außerhalb Israels im Nahen und Mittleren Osten. Es gibt Synagogen und im iranischen Parlament sitzt ein jüdischer Abgeordneter.