Die Junge Alternative ist in der AfD offiziell als Jugendorganisation anerkannt. Ihre Mitglieder besuchen als Gäste die Parteitage. Die Junge Alternative benutzt das AfD-Parteilogo und die Parteifarben blau-rot. Ihre politische Rhetorik aber ist konservativer, nationaler, mithin schärfer als die der Mutterpartei.

Dass der politische Nachwuchs einer Partei ein Stück weit radikaler ist, ist auch bei den politischen Mitbewerbern so. Schließlich wollen den Jungen den Älteren auch neue Impulse geben.

Die AfD ist dafür bekannt, dass sie die Grenzen im politischen Diskurs weit zieht. Doch offenbar gibt es an der Parteispitze Unmut über den Nachwuchs. Wie ZEIT ONLINE erfuhr, müssen Freitag kommender Woche (22. Juni)  der Bundesvorsitzende der Jungen Alternative, Damian Lohr und sein Stellvertreter Nicolai Boudaghi einer eigens dafür gebildeten Arbeitsgruppe des Bundesvorstandes Rede und Antwort stehen. Im Anschluss sind beide in eine Sitzung der 14 Mitglieder zählenden Parteispitze in die Bundeszentrale vorgeladen. Um "Aufklärung zu betreiben", wie AfD-Bundesvorstandsmitglied Guido Reil sagt.

Gegen AfD-Beschlüsse verstoßen

Den jüngsten Anlass bot der Bundeskongress der Jungen Alternative vor zwei Wochen im thüringischen Seebach. Die Teilnehmer sangen dort das sogenannte Deutschlandlied – dessen dritte Strophe bildet die Nationalhymne, die anderen Strophen werden aus historischen Gründen ("Deutschland, Deutschland über alles") öffentlich nicht gesungen. Unter anderem in der Frage, ob die Junge Alternative das befolgen solle, gerieten am Tagungsort Vertreter gegensätzlicher Meinungen hart aneinander, von Rangeleien ist die Rede. Die Teilnehmer beschlossen zudem mehrheitlich, dass das Deutschlandlied künftig an Schulen gesungen werden solle und sprachen sich für den Austritt Deutschlands aus der Nato aus. Das aber steht dem Programm der AfD entgegen, das die Nato-Mitgliedschaft im sicherheitspolitischen Interesse Deutschlands sieht.

Hinzu kam der Umstand, dass auf dem Podium des Bundeskongresses Symbole der Identitären Bewegung zu sehen waren, wie ZEIT ONLINE berichtet hatte. Die völkische Bewegung wird vom Verfassungsschutz beobachtet, in ihrem Ursprungsland Österreich ermittelt die Justiz gegen ihre Cheforganisatoren. In der Jungen Alternative gibt es viele Identitären-Sympathisanten.

Doch die AfD-Führung hatte sich vor Jahren bereits per Beschluss von den Identitären abgegrenzt – eine Mitwirkung oder Teilnahme an ihren Aktionen erklärte sie mit einer AfD-Mitgliedschaft unvereinbar. In Berlin musste ein Vorstandsmitglied der Jungalternativen zurücktreten, nachdem ZEIT ONLINE berichtet hatte, dass es mit Haftbefehl gesucht wurde – wegen der Mitwirkung an einer Identitären-Aktion.