Nach der Affäre um Mängel in der Bremer Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) hat Innenminister Horst Seehofer Behördenchefin Jutta Cordt entlassen. "Er hat der Leitungsspitze des Bamf am Mittwoch mitgeteilt, sie von ihren Aufgaben zu entbinden", sagte ein Ministeriumssprecher. Über die Nachfolge werde demnach in Kürze entschieden. Der Sprecher verwies darauf, dass Seehofer schon vor Wochen personelle Konsequenzen aus der Affäre nicht ausgeschlossen habe. Zuvor hatte Spiegel Online über die Entscheidung Seehofers berichtet.

Bereits in der vergangenen Woche hatte Seehofer "eine tiefgreifende Reform des Bamf" angekündigt. Bei einer Befragung im Innenausschuss des Bundestags vor zweieinhalb Wochen hatte er sich allerdings noch vor die Behördenchefin gestellt. Cordt steht seit Januar 2017 an der Spitze des Bamf. Nach Bekanntwerden des Bremer Missstände wurde ihr vorgeworfen, zu spät reagiert und frühe Hinweise nicht weiterverfolgt zu haben. Es liegen auch zwei Anzeigen einer Privatperson gegen sie vor. Die 54-Jährige selbst hat betont, sie stehe für Aufklärung. "Bei mir wird nichts vertuscht." Sie hat mehrere Untersuchungen und Nachprüfungen von Asylentscheidungen in Gang gesetzt.

Bamf-Vizepräsidentin Uta Dauke hatte die Behörde schon zuvor verlassen. Sie habe einen neuen, gut dotierten Posten im Bundesinnenministerium übernommen, hieß es aus der Nürnberger Zentrale.

Der Arbeitsvertrag von Rudolf Knorr, der den operativen Bereich des Bamf leitet, wurde hingegen bis Ende des Jahres verlängert. Knorr habe den Außenstellen strenge Vorgaben gemacht, wie viele Fälle sie in einer bestimmten Zeit zu bearbeiten hätten, hieß es aus dem Amt. Durch diesen Druck sei es zu Qualitätsmängeln und etlichen falschen Asyl-Bewilligungen gekommen. "Eine Anerkennung ist nur zwei bis drei Seiten lang, sie bedarf keiner Begründung", sagte ein Mitarbeiter der dpa. "Eine Ablehnung dagegen ist oft zwischen 45 und 50 Seiten stark."

In der Bremer Außenstelle der Behörde sollen über Jahre insgesamt Hunderte Asylbescheide falsch ausgestellt worden sein. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die damalige Leiterin der Außenstelle und fünf weitere Beschuldigte, darunter drei Anwälte.

"Gute Arbeit geleistet"

Die Vorsitzende des Innenausschusses im Bundestag, Andrea Lindholz (CSU), wollte die Entlassung Cordts nicht bestätigen, äußerte aber Verständnis für eine solche Entscheidung. Cordt habe gute Arbeit geleistet, aber Vertrauen könne man wahrscheinlich anders nicht wiederherstellen, sagte Lindholz. Die FDP-Bundestagsabgeordnete Linda Teuteberg sprach dagegen von einem "Bauernopfer".

Am Freitag sagten im Innenausschuss des Bundestags der frühere Flüchtlingskoordinator und heutige Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sowie die ehemaligen Innenminister Thomas de Maizière (CDU) und Hans-Peter Friedrich (CSU) aus. Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Mathias Middelberg, teilte mit, die Befragung habe "nicht ergeben, dass konkrete Fehler gemacht wurden oder konkrete Versäumnisse festzustellen waren".

Der SPD-Abgeordnete Burkhard Lischka sagte, die internen Kontrollen des Bamf hätten versagt. "Wir werden als SPD uns mit Nachdruck dafür einsetzen, dass es einen unabhängigen Beauftragten für Asylangelegenheiten gibt", kündigte Lischka an. Der CDU-Innenpolitiker Armin Schuster sagte, die Flüchtlingszahlen seien in dieser Dimension nicht vorhersehbar gewesen. Das Bamf habe dem nicht Herr werden können. 

Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz sagte, das Bamf hätte schon 2012 und 2013 besser aufgestellt werden müssen. Friedrich habe als verantwortlicher Innenminister der CSU aber trotz Hinweisen nicht reagiert. Aus Sicht der Linkspartei liegt die Schuld bei den Ministern. "Wenn man jetzt das Bamf immer wieder an den Pranger stellen will, das wäre völlig falsch", sagte die Abgeordnete Ulla Jelpke.