Polizeibeamte in Hamburg sollen bei Einsätzen künftig eine individuelle Kennzeichnung auf ihrer Uniform tragen. Das kündigte Innensenator Andy Grote (SPD) an, wie Hamburger Medien übereinstimmend berichteten. Auf der Uniform steht nicht der Name, sondern eine sechsstellige Zahl. "Wir nehmen wahr, dass die Bürger von der Polizei Offenheit und Transparenz fordern", zitierte die Hamburger Morgenpost Grote. "Und wo in Grundrechte eingegriffen wird, wollen die Menschen den Polizisten erkennen können." Das habe nichts mit Misstrauen zu tun. Die Polizei habe nichts zu verbergen.

Laut Hamburger Abendblatt sollen die Individualnummern für die Beamte 2019 eingeführt werden. Allerdings greift die Innenbehörde mit dem Schritt einem Beschluss in der Bürgerschaft – dem Parlament des Bundeslandes Hamburg – vor, wie die Morgenpost berichtete. Demnach soll die Bürgerschaft den Schritt noch in ein Gesetz bringen.

Vor allem nach den Ereignissen während des G20-Gipfels in Hamburg Anfang Juli 2017 kamen vermehrt Forderungen auf, es müsse in Hamburg eine Kennzeichnungspflicht für Polizisten im Einsatz geben. In neun Bundesländern – Berlin, Brandenburg, Bremen, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen – gibt es das bereits.

Hamburgs Polizeichef Ralf Meyer begrüßte die Einführung der Kennzeichnung, doch der Vorstoß ist umstritten: Die Deutsche Polizeigewerkschaft und die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sind dagegen. Die GdP kritisiert die Kennzeichnungspflicht als "Kontrollwahn gegen die Polizisten". Der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, sagte im Juni, als in der Hamburger Bürgerschaft der Vorschlag diskutiert wurde: "Im täglichen Dienst tragen die allermeisten Beschäftigten bereits freiwillig Namensschilder." Die Polizei sei bürgernah, "niemand hegt die Absicht, sich hinter der Anonymität einer Uniform zu verstecken".