Bayern und Österreich verbindet mehr als 815 Kilometer gemeinsame Grenze. "Wenn ich Urlaub mache, fahre ich am liebsten nach Bayern. Da bin ich nicht mehr in Österreich und noch nicht in Deutschland", sagte mal der österreichische Langzeitkanzler Bruno Kreisky (SPÖ).

Auch viele Bayern fühlen sich Österreich näher als dem Rest der Bundesrepublik. Am Mittwoch ging die Politik nun einen Schritt weiter: Erstmals tagte die bayerische  Landesregierung unter Ministerpräsident Markus Söder (CSU) in Linz gemeinsam mit der Regierung des österreichischen Bundeskanzlers Sebastian Kurz (ÖVP).

Der Gipfel war lange geplant, erwartet wurden schmucke Bilder, warme Worte und ein paar wolkige Absichtserklärungen. Doch inzwischen hat das Treffen zwischen der Vertretung eines Bundeslandes und eines Staates eine neue Dimension gewonnen. In Linz wird jetzt auch die Zukunft derer mitverhandelt, die gar nicht mit am Tisch sitzen: Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Fortbestand der Fraktionsgemeinschaft aus CDU und CSU in Berlin. Letztlich der gesamten Europäischen Union.

Kurz und Söder sind sich einig

Denn anders als CDU und CSU in Berlin sind sich die Bayern und die rechte Regierung in Wien beim Thema Flüchtlinge in den zentralen Fragen einig. So wollen etwa beide "Schutzzonen" für Flüchtlinge in Afrika, also Menschen dort sammeln, bevor sie überhaupt nach Europa kommen. "Gemeinsame Überzeugung in der Zuwanderungspolitik. Wir brauchen eine Begrenzung der Zuwanderung nach Europa", schreibt Söder auf Facebook unter einem Foto von sich und Kurz. Lobende Worte gibt es am Mittwoch von dem Bayern auch zum Auftakt des Treffens: Man teile eine "gemeinsamen Haltung im Geiste", sagt Söder.

Die CSU besteht weiterhin auf einem Punkt aus ihrem sogenanntem Masterplan zur Migrationspolitik: Flüchtlinge, die bereits in einem anderen EU-Land als Asylbewerber registriert wurden, sollen noch an der deutschen Grenze zurück gewiesen werden. Merkel ist dagegen und will lieber eine europäische Lösung oder wenigstens bilaterale Abkommen über die Rückübernahme von Flüchtlingen. Eine Zwei-Wochen-Frist hat die bayerische Schwesterpartei der Kanzlerin gegeben. Bis dahin soll sie eine EU-Lösung präsentieren, sonst will Innenminister Horst Seehofer in Eigenverantwortung und gegen Merkels Willen Zurückweisungen anordnen. Die Lage ist ernst: Am Sonntag kommen die EU-Staaten zu einem Sondertreffen zusammen, um über die Flüchtlingspolitik zu beraten.

Kurz kommt der Besuch aus München recht

Die CSU muss nun zeigen, dass sie mit ihrer harten Haltung nicht alleine da steht. Österreich ist da ein wichtiger Verbündeter, als Nachbarland, aber auch, weil das Land am 1. Juli die EU-Ratspräsidentschaft übernimmt.

Vor einer Woche war Kurz in Berlin und traf sich nach seiner Zusammenkunft mit Angela Merkel auch mit Innenminister Seehofer, was natürlich ein symbolischer Akt war. Er sprach dort von der "Achse der Willigen" in der Flüchtlingspolitik von Rom über Wien nach Berlin. Italiens neuer Innenminister von der rechten Partei Lega hat schon erkennen lassen, dass er Seehofers harte Haltung grundsätzlich begrüßt.

Die CSU baut darauf, dass Kurz – jung, unverbraucht, populär – ihre Positionen womöglich freundlicher verpacken kann. Tatsächlich hat der 31-jährige Kanzler auch in der deutschen Schwesterpartei Bewunderer. Der Vorsitzende der Jungen Union, Paul Ziemiak, postete letztens ein Foto von sich und dem Österreicher beim Tête-à-tête in einem hippen Berliner Weinlokal.

Kurz gefällt sich seit jeher in der Rolle des Gegenspielers von Angela Merkel in der Flüchtlingsfrage: Er habe im Frühjahr 2016 quasi im Alleingang die Balkan-Route geschlossen, gegen den Willen der mächtigen Kanzlerin. Auch solche Anti-Merkel-Helden-Erzählungen haben ihn im vergangenen Herbst zum Wahlsieg getragen.