Der italienische Innenminister Matteo Salvini hat seine Haltung bekräftigt, künftig keine privaten Rettungsschiffe mit Geflüchteten mehr in die Häfen des Landes zu lassen. "Diese Schiffe können es vergessen, Italien zu erreichen. Ich will die Geschäfte von Schleppern und Mafiosi unterbinden!", schrieb der Chef der rechten Lega-Partei auf Facebook.

Neben Italien hatte auch Malta zuvor dem Schiff Lifeline der Organisation Mission Lifeline aus Dresden die Einfahrt verweigert. Die Lifeline hatte am Donnerstag nach eigenen Angaben mehr als 220 schiffbrüchige Migranten in internationalen Gewässern an Bord genommen. Das Schiff fährt nach Angaben der Organisation unter niederländischer Flagge, was die dortigen Behörden aber bestreiten. Salvini bezeichnete die Lifeline als "gesetzloses Schiff".

Maltas Ministerpräsident Joseph Muscat teilte mit, die maltesischen Streitkräfte hätten einen kranken Migranten von Bord des Schiffes geborgen. Sie würden das Schiff auch mit Hilfsgütern versorgen. Die Lifeline habe sich nicht an die Regeln gehalten, doch habe Italien kein Recht, sie nach Malta zu schicken, sagte er in einem Radiointerview. Die deutschen Rettungsorganisationen Sea-Eye und Sea-Watch teilten am Samstag mit, dass sie ein Boot mit Proviant zur Lifeline schicken wollen.

Das neue italienische Kabinett aus der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung und der fremdenfeindlichen Lega hatte Anfang Juni die Regierungsgeschäfte in Rom übernommen. Vor rund zwei Wochen verweigerten sie bereits dem Schiff Aquarius der Hilfsorganisationen SOS Méditerranée die Einfahrt in Italien. Sie fuhr daraufhin die weite Strecke in den spanischen Hafen Valencia.

Bei der gefährlichen Überfahrt nach Europa in oftmals überfüllten und nicht seetauglichen Booten sterben jedes Jahr Hunderte Geflüchtete. Am Freitag sank ein Schlauchboot mit fünf Geflüchteten etwa zwölf Seemeilen vor der libyschen Küste. Bei den fünf Toten handelte es sich laut einem Marinesprecher um Menschen aus dem Sudan, Nigeria, Tschad und Ägypten.