Die Vorsitzenden der Linken, Katja Kipping und Bernd Riexinger, sind in ihren Ämtern bestätigt worden. Die Delegierten wählten Kipping beim Parteitag in Leipzig mit 64,5 Prozent der Stimmen erneut für zwei Jahre zur Vorsitzenden. Riexinger erhielt 73,8 Prozent, er ist Co-Vorsitzender. Für beide ist es die vierte Amtszeit als Parteivorsitzende. Die Wiederwahl der beiden war erwartet worden, es gab keine Gegenkandidaten. 2016 war Kipping mit 74 Prozent der Stimmen gewählt worden, Riexinger bekam damals knapp 90 Prozent. Die beiden Vorsitzenden bedankten sich nach der Wahl für das Vertrauen der Delegierten. "Ihr könnt sicher sein, wir werden diese zwei Jahre gut nutzen im Sinne unserer Partei", sagte Kipping.

Bereits am Mittag hatten die Delegierten für den Leitantrag des Vorstands gestimmt, in dem gefordert wird, sichere und legale Fluchtwege nach Deutschland einzurichten und die Grenzen für Schutzbedürftige offen zu halten. Daneben sollen demnach Fluchtursachen bekämpft werden, etwa indem keine Waffen mehr exportiert werden. Außerdem wird in dem Antrag eine "soziale Offensive" gefordert, die gesellschaftliche Kämpfe um Wohnungen und Jobs verhindern soll.

Der Antrag war von Kipping und Riexinger eingebracht worden. Er wandte sich direkt gegen die Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht, die die Forderung nach offenen Grenzen für alle Menschen als realitätsfern kritisiert hatte. Sie schrieb zuletzt in einem Gastbeitrag für die ZEIT, "die eine Seite" leugne, "dass es 'den Flüchtling' eben zwei Mal gibt. Er ist einmal der vor Gefahren Fliehende, und dann ist er der nach einem besseren Leben suchende Arbeitsmigrant."

Auch Oskar Lafontaine, Mitbegründer und ehemaliger Chef der Linken, hatte die Haltung der Parteivorsitzenden kritisiert: Mit großer ideologischer Hartnäckigkeit werde "die Lohn- und Mietkonkurrenz geleugnet, die entsteht, wenn sehr viele Menschen zu uns kommen", sagte er der tageszeitung.

Wagenknecht sieht Abstimmung als Kompromiss

Die Linke diskutiert seit der Bundestagswahl im September 2017 intern über ihre Haltung zur Flüchtlingspolitik. Kipping kündigte daher am Freitagabend an, der beschlossene Antrag sei eine Richtungsentscheidung, die nicht mehr hinterfragt werden solle. "Nach diesem Parteitag muss doch Schluss damit sein, dass die demokratische Beschlussfassung zur Flüchtlingspolitik beständig öffentlich infrage gestellt wird", sagte sie vor der Abstimmung für den Leitantrag.

Wagenknecht dagegen wertete den Beschluss nach der Abstimmung als Kompromiss, weil die Formulierung "offene Grenzen für alle Menschen", wie sie noch im Bundestagswahlprogramm gestanden hatte, nicht mehr enthalten war. Die Debatte zur Arbeitsmigration, werde daher weitergehen, sagte Wagenknecht.