Der neue US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, hat sich bei seinem Antrittsbesuch im Auswärtigen Amt "unglücklich über die Reaktionen" auf sein umstrittenes Interview mit der ultrarechten US-Website Breitbart gezeigt. Dies verlautete aus dem Ministerium nach einem Treffen Grenells mit Staatssekretär Andreas Michaelis. Er wolle "nicht als Parteigänger rechtsgerichteter Kräfte in Deutschland wahrgenommen werden". Grenell wolle auch atmosphärisch dafür sorgen, "dass eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den deutschen Partnern möglich" wird, hieß es von deutscher Seite.

Zuvor hatte es parteiübergreifende Kritik bis hin zu Abberufungsforderungen angesichts der umstrittenen Interviewäußerungen gegeben. Grenell hatte in dem Interview unter anderem ein Engagement für rechtsgerichtete Gruppen in Europa angedeutet. "Ich möchte unbedingt andere Konservative in ganz Europa stärken", wurde er von Breitbart zitiert. Später hatte er auf Twitter versichert, dass er nicht zur Unterstützung bestimmter Parteien oder Personen aufrufe, aber: "Ich stehe zu meinen Kommentaren, dass wir ein Erwachen von der schweigenden Mehrheit erleben – die die Eliten und ihre Blase ablehnt. Geführt von Trump."

Lunch mit Österreichs Kanzler

Grenell ist ein Vertrauter des US-Präsidenten und seit einem Monat US-Botschafter in Berlin. Traditionell bemühen sich Botschafter um diplomatische Zurückhaltung. Grenell hatte allerdings schon kurz nach seinem Amtsantritt Irritationen ausgelöst, als er deutsche Unternehmen aufforderte, nach dem US-Ausstieg aus dem Atomabkommen auf weitere Geschäfte in Iran zu verzichten. Angesichts seiner jüngsten Äußerungen warfen ihm mehrere Politiker eine Einmischung in innere Angelegenheiten vor.

Unter anderem der frühere SPD-Chef Martin Schulz hatte die Ablösung Grenells gefordert und ihn als "rechtsextremen Kolonialoffizier" bezeichnet. "Wenn der deutsche Botschafter in Washington sagen würde, ich bin hier, um die Demokraten zu stärken, dann würde er sofort rausgeschmissen", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Der CDU-Außenpolitiker Jürgen Hardt sagte dem Sender SWR: "Botschafter sollten eher zuhören und im Stillen wirken, als selbst Politik machen."

Für Irritation hatte auch eine ungewöhnliche Einladung des neuen US-Botschafters an den österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz gesorgt – einen Kritiker der Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). So richtet Grenell während eines Berlinbesuchs von Kurz am 13. Juni in seiner Berliner Residenz ein Mittagessen für den österreichischen Kanzler aus.

Merkel kommentiert Grenell-Äußerungen nicht

Zugleich äußerte Grenell Bewunderung für Merkels Politikstil. "Ich mag ihre Ernsthaftigkeit und ihre Herangehensweise an politische Dinge", sagte er der Bunten. "Sie erwartet Resultate und nicht Prunk oder Glamour." Die Stimmung in Deutschland nehme er genau wahr, erklärte der Diplomat und sagte mit Blick auf Trump: "Ich weiß, dass es viel Unterstützung für unseren Präsidenten gibt. Denn: Amerikaner und Deutsche spielen im selben Team."

Rückendeckung bekam der 51-Jährige vom US-Außenministerium. "Botschafter haben ein Recht, ihre Meinung zu äußern", sagte die US-Außenministeriumssprecherin Heather Nauert in Washington. Botschafter seien zwar "Vertreter des Weißen Hauses", sie hätten aber das Recht auf freie Meinungsäußerung. "Manchmal sind es Ansichten, die die Leute vielleicht mögen oder nicht mögen." Nauert sagte, sie glaube, "dass Botschafter Grenell nur unterstreichen wollte, dass es Parteien und Kandidaten gibt, die in Europa derzeit gut abschneiden, sonst nichts".

Merkel selbst wollte die Causa Grenell bei der ersten Regierungsbefragung im Bundestag nicht kommentieren. Sie werde das Thema aber Ende der Woche beim G7-Gipfel in Kanada mit Trump ansprechen.