Wenn Mike Groschek an diesem Samstag in Bochum noch einmal auf die Bühne steigt, wie immer eine kämpferische Rede hält und sich danach als Landeschef der NRW-SPD verabschiedet, dann spricht einiges dafür, dass er nicht allzu traurig ist.

Ein Jahr hat der Oberhausener den mächtigsten, selbstbewusstesten und nervösesten Landesverband der SPD geführt. Nach der Wahlniederlage von Hannelore Kraft hatte er im Frühsommer 2017 den Vorsitz übernommen und damit den Auftrag, die gebrochene Partei wieder aufzurichten, mit sich selbst zu versöhnen, ihr Ziel und Kompass zurückzugeben.

Nun, ein Jahr später, steht die NRW-SPD bei 22 Prozent in den Umfragen. 13 Punkte hinter einer CDU, die in der Landesregierung allenfalls mäßig erfolgreich ist. Die Sozialdemokraten haben kein neues Grundsatzprogramm, obwohl das eigentlich auf dem Parteitag beschlossen werden sollte. Und die Landtagsfraktion investierte ihre Energie nach dem gescheiterten Wahlkampf bislang vor allem in interne Rivalitäten. 

Die Situation vor dem Parteitag könnte also, vorsichtig formuliert, angenehmer sein. Kein Wunder also, dass es über Groschek schon vor Wochen von Vertrauten hieß: Der Mike habe "einfach keinen Bock mehr, sich den Laden noch länger anzutun".

Es sei einfach ein undankbares Jahr gewesen, meinen viele. Der aussichtslose Bundestagswahlkampf nach der verlorenen Landtagswahl, danach die zähen Verhandlungen über eine große Koalition und die nicht enden wollenden Basisveranstaltungen, um die Gegner des Bündnisses einzubinden – da sei für die Erneuerung des Landesverbandes nicht mehr viel Zeit geblieben.

Hinterzimmer statt Basisdemokratie

Da ist zweifellos etwas dran und es wäre auch widersinnig, wenn die NRW-SPD prächtig dastünde, wo die Sozialdemokraten doch überall sonst am Boden liegen.

Doch wäre es ebenso falsch, die Krise der NRW-SPD allein mit der bundesweiten Gemengelage zu erklären. Denn einige der Probleme sind hausgemacht und auch der scheidende Vorsitzende trug seinen Teil dazu bei. Eine seiner letzten Amtshandlungen bestand darin, seine Nachfolge nicht zu regeln. Groschek überließ das weitgehend dem ebenfalls scheidenden Fraktionsvorsitzenden Norbert Römer, einem 71-jährigen Ex-Bergbaugewerkschafter. Einem Mann, für den das Wort Strippenzieher in der Politik einmal erfunden wurde.

Römer versuchte einen seiner engsten Vertrauten an die Fraktionsspitze zu hieven und den Parteivorsitz dabei gleich mitzubesetzen. Es war ein abenteuerliches Verfahren aus Regionalproporz und Hinterzimmerkumpanei: Zunächst wurde sogar eine Findungskommission eingesetzt, diese aber dann von Römer vor vollendete Tatsachen gestellt: Denn er hatte mit den Mächtigen der Partei bereits alle wesentlichen Absprachen getroffen. Für die SPD, die gerade so angestrengt von Basisbeteiligung und Erneuerung redet, war es ein verheerendes Signal, dass gerade in ihrem wichtigsten Landesverband am Ende noch immer die alten Kungelrunden entscheiden.

Diesmal misslang das Vorhaben. Römers Mann fiel in der Fraktion knapp durch, stattdessen wurde sein Gegenkandidat, Thomas Kutschaty, zum Vorsitzenden gewählt und Römer trat von seinen Parteiämtern zurück. Nach der knappen Wahl müsse die Fraktion erst einmal wieder zueinanderfinden, berichten Abgeordnete. An der Basis ist das Unverständnis über die Parteispitze inzwischen groß.