Es war einmal eine Partei. Ihre Gründer einte der Gedanke, sich abzuheben, die Politik in Deutschland zu verändern. Sie sagten dem Euro den Kampf an und erklärten den Nationalstaat für erhaltenswert, sie trachteten danach, die "gänzlich aus dem Ruder gelaufene" staatliche Parteienfinanzierung in der derzeitigen Form abzuschaffen (PDF). Parteiarbeit sollte idealerweise durch Mitgliedsbeiträge getragen werden, der Staat solle sich raushalten. Es sollte verboten sein, Firmenanteile zu kaufen oder Spenden von Unternehmen anzunehmen. Viele erinnern sich noch an dieses Gründungsethos, vor allem viele in der AfD selbst.  

Und diese Mitglieder kritisieren nun, dass die AfD an dieser entscheidender Stelle sich nicht mehr von den Parteien unterscheidet, die zu marginalisieren sie angetreten ist. Denn mit ihrer auf dem Bundesparteitag in Augsburg anerkannten Parteistiftung wird die AfD künftig an den Staatsmillionen teilhaben. Sie wird sich also auch aus jenen Quellen speisen, die sie bisher verabscheute. Die AfD steht damit dort, wo sie nie hinwollte: nah an den von ihr gehassten, so genannten Altparteien.

Auf dem Parteitag lautete ein Argument der Stiftungsbefürworter, "Waffengleichheit herzustellen" mit den anderen Parteien, die über ihre Stiftungen vom jährlichen 500-Millionen-Budget profitieren. Außerdem werde die Stiftung wieder abgeschafft, sobald das auch andere Parteien täten. Man muss hier reichlich Fantasie mitbringen, um das auch nur annähernd für wahrscheinlich zu halten. Auch der durch die AfD in den Bundestag eingebrachte Gesetzentwurf (PDF), der Parteienfinanzierung neu regeln soll, ist nur ein taktisches Argument: Da dieser Antrag ohnehin abgelehnt werden wird, kann die AfD einerseits ihre eigene Stiftung etablieren, andererseits diesen offenkundigen Widerspruch damit rechtfertigen, dass sie doch alles versucht hätte, die Parteienfinanzierung grundsätzlich zu ändern.

Und es ist nicht so, dass die AfD an Geldnot leidet. Sie hat 30.000 Mitglieder, allein im Bundestag 92 Mandatsträger, die Abgaben leisten. Sie hat solvente Unterstützer. Kein Grund, sich vom Gründungsethos zu entfernen.  

Treu bleibt die Partei sich dagegen in der Umdeutung historischer Zusammenhänge und der Relativierung von Diktaturen. Das öffentliche Entsetzen über Alexander Gaulands Vogelschiss-Vergleich ist noch nicht abgeklungen, da lässt der Bundesvorsitzende in Augsburg einen zwar impliziten, aber deutlich erkennbaren Hitlervergleich folgen. Es ist hochgefährliche Zündelei, in ein Redemanuskript eine vorsätzliche Analogie zwischen Merkel und Hitler einzubauen, mit dem offenkundigen Ziel, die Delegierten zu erheitern. In seiner Unappetitlichkeit steht das Gaulands Vogelschiss-Äußerung nur wenig nach.

Nicht minder problematisch sind Gaulands DDR-Vergleiche: Schweizer Zeitungen als das neue Westfernsehen, Claus Kleber als Eduard von Schnitzler (der Chefpropagandist des DDR-TV), die AfD als das Neue Forum – jene Gruppe von Bürgerrechtlern also, die die Wende von 1989 anstieß. 

Mit solchen DDR-Anleihen erweitert Gauland seinen Umdeutungskatalog und verfestigt das Märchen in den Köpfen seiner Anhänger, das Leben in der Bundesrepublik sei ein Leben in einer Diktatur. Schießbefehl, Stasiknäste wie in Hohenschönhausen oder Bautzen, Behördenwillkür – zumindest die beiden Ossis im AfD-Bundesvorstand sollten wissen, dass die Bundesrepublik weit vom menschenverachtenden Instrumentarium der DDR entfernt ist. Dabei gibt es in der Partei selbst Radikale, die sich solche DDR-Verhältnisse herbeiwünschen. Jene Funktionäre, die schon mal ankündigten, "wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet". Der Parteitag von Augsburg wird als jener in Erinnerung bleiben, bei dem die einzige, von deutschnationalen Tönen durchsetzte Rede den meisten Applaus erhielt. Es war die von Erika Steinbach, der Direktorin der jetzt anerkannten Parteistiftung.  

Doch die emotionale Diskussion der Tagungshalle in Augsburg zeigte auch: In der AfD gibt es noch immer Demokraten, denen eine realpolitische Alternative für Deutschland viel bedeutet, denen viel an den Prinzipien von 2013 liegt. Sie sollten wachsam in die eigenen Reihen blicken.