Nach der Einigung im Asylstreit in der Union fordern die Landesverbände der Jungen Union in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland ein neues Parteigremium von CDU und CSU. Dieser sogenannte "Unionsrat" soll künftige Konflikte lösen. "Im Unionsrat sollen Streitfragen, die bisher nur auf Ebene der Partei-, Fraktions- und Landesgruppenvorsitzenden besprochen wurden, auf ein breiteres Fundament gestellt werden", hieß es in einer Mitteilung der drei Landesvorsitzenden. Die Delegierten sollten gemeinsam richtungsweisende Fragen entscheiden.

Aufgaben eines solchen Unionsrates sollen demnach außerdem sein, ein gemeinsames Wahlkampfprogramm zu erstellen, Kanzlerkandidaten zu bestimmen sowie über Koalitionsverträge abzustimmen. Die Beschlüsse des Gremiums sollten als "Handlungsrichtschnur für die Arbeit der Fraktionsgemeinschaften im Deutschen Bundestag und der CDU/CSU-Gruppe im Europaparlament dienen", heißt es weiter in dem Papier.

Union und SPD hatten sich am Donnerstagabend auf einen Kompromiss in dem wochenlangen Streit um die Asylpolitik geeinigt. In dem beschlossenen Papier ist weiter die Rede davon, dass Deutschland Asylbewerber, für die andere EU-Staaten zuständig sind, an Österreich auf Basis einer bilateralen Vereinbarung zurückweisen werde.

Die drei Landesverbände der Jungen Union mahnten: "Ein solcher Streit zwischen den Unionsparteien wie in den vergangenen zwei Wochen, der die Unionsfamilie an den Abgrund führte, darf sich nicht mehr wiederholen." CDU und CSU seien Partner und keine Konkurrenten.

Seehofer: Streit mit Merkel ist beendet

Unterdessen versicherte Bundesinnenminister Horst Seehofer, sein Streit mit Kanzlerin Angela Merkel sei beendet. "Wir schauen nach vorne", sagte der CSU-Chef der Bild am Sonntag laut Vorabbericht. "Die Windschutzscheibe ist größer als der Rückspiegel." Selbstverständlich könne er weiterhin mit der CDU-Vorsitzenden zusammenarbeiten. "Das ist ja auch unsere Pflicht und Verantwortung gegenüber der Bevölkerung." Seine zwischenzeitliche Rücktrittsdrohung im CSU-Vorstand sei bereits Geschichte.

CDU und CSU hatten sich wochenlang einen erbitterten Streit in der Flüchtlingspolitik geliefert. Zeitweise wurde sogar ein Bruch des Fraktionsbündnisses beider Unionsparteien befürchtet. Mittlerweile hat sich die große Koalition aus Union und SPD aber auf einen Kompromiss verständigt.

Allerdings zeigten verschiedene Umfragen in den vergangenen Wochen, dass der Unionsstreit die Regierungsparteien Wählersympathien gekostet hat; wäre aktuell Bundestagswahl, würde die große Koalition nicht einmal mehr eine Mehrheit bekommen.

Die Stimmung in der großen Koalition bleibt angespannt: SPD-Chefin Andrea Nahles warf dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder vor, Ressentiments gegen Flüchtlinge zu schüren, etwa indem er Begriffe wie "Asyltourismus" verwende. Das sei die Sprache der AfD. Es handele sich dabei um "sorgfältig geplante Provokationen vor der bayerischen Landtagswahl", sagte Nahles der Welt am Sonntag.