Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) hat bereits frühzeitig umfassende Informationen zu den Betrugsvorwürfen an der Bremer Außenstelle des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) zugeleitet bekommen. Das räumte ein Sprecher von Pistorius gegenüber der Bild am Sonntag ein. Demnach habe der Minister auf eigenen Wunsch im Juni 2017 ein Dossier über die Vorwürfe gegen die Bremer Bamf-Außenstelle erhalten.

Pistorius' Sprecher bestätigte der Zeitung, dass auf dem dienstlichen Account des Ministers eine entsprechende Mail eingegangen sei. Dem Bericht zufolge reagierte Pistorius jedoch nicht auf das Dossier."Da sich Minister Pistorius zu diesem Zeitpunkt im Urlaub befand, hat er diese Mail wie üblich weitergeleitet", zitiert das Blatt den Sprecher. "Es kann leider aufgrund von turnusmäßigen Löschungen nicht nachvollzogen werden, an welche Stelle im Ministerium diese Mail gegangen ist."

Im April 2018 war bekannt geworden, dass die ehemalige Leiterin der Behörde möglicherweise unrechtmäßige Asylbescheide erteilt haben soll. Pistorius hatte bisher zwar angegeben, bereits im August oder September 2016 von einem mutmaßlichen Missbrauch in Bremen erfahren zu haben. Damals sei es aber nur um einen Einzelfall gegangen; er habe einen Brief an das Bamf geschrieben und um Aufklärung gebeten.

Dass er Vorwürfe trotz des Dossiers nicht öffentlich machte, liege nicht daran, dass er etwas vertuschen gewollt habe, sagte Pistorius dem Münchner Merkur. Es sei vielmehr "sehr ärgerlich", dass er das Dossier im Sommer 2017 wegen seines Urlaubs nicht selbst erhalten habe. Mails, die während seines Urlaubs an ihn gingen, würden in seiner Abwesenheit gewöhnlich an die zuständige Abteilung weitergeleitet – und ihm nach seiner Rückkehr wieder vorgelegt, sagte der Innenminister weiter. "Das ist in diesem Fall leider unterblieben."   

Die Mail mit dem umfangreichen Dossier zu den Vorwürfen stammte den Berichten zufolge von der ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Michaela Engelmeier. Engelmeier wehrt sich ebenfalls gegen den Vorwurf der Vertuschung. "Ich bin mir keiner Schuld bewusst. Wir hatten keinen Grund das zu vertuschen, schließlich wäre das eine Hammer-Geschichte für uns gewesen", sagte sie dem Merkur.