Die Regierung in Bayern hat das umstrittene Landesamt für Asyl und Rückführungen in Manching bei Ingolstadt offiziell gegründet. Mit dem Amt will die Regierung zentral für den Freistaat Abläufe im Asylprozess verbessern, insbesondere Passbeschaffungen, Abschiebungen und Förderung der freiwilligen Ausreise sowie Maßnahmen gegen ausländische Gefährder und Straftäter. Erklärtes Ziel ist, die Abschiebungen abgelehnter Asylbewerber zu beschleunigen.

Gleichzeitig kündigte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) an, der Freistaat werde "bei erbrachter Integrationsleistung" Asylbewerbern künftig eher die Aufnahme von Arbeit oder Ausbildung ermöglichen. Hier solle eine bessere Balance gefunden werden. Auch sollten die Spielräume im geltenden Recht stärker genutzt werden. Es werde eine "offenere Auslegung" des Rechts geben, sagte Söder, ohne konkreter zu werden.

In dem Landesamt sollen 120 neue Stellen geschaffen werden, zusammen mit den zentralen Ausländerbehörden wird das Amt dann später über 1.000 Mitarbeiter verfügen. Der erste Präsident wird der 52 Jahre alte Thomas Hampel, der bisher Inspekteur der bayerischen Polizei war. Während der besonders starken Flüchtlingszuwanderung 2015 hatte der Polizist im Innenministerium in München den Koordinierungsstab Asyl geleitet. 

Söderhatte das sogenannte Bayern-Bamf schon vor seinem Amtsantritt gefordert und in seiner Regierungserklärung im April angekündigt. Für die Asylverfahren selbst ist aber weiterhin das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) in Nürnberg als Bundesbehörde zuständig.

SPD, Grüne und Freie Wähler kritisieren das Amt

Der bayerische Flüchtlingsrat und andere Organisationen wollen gegen die neue Behörde demonstrieren. "Abschiebungen und die rechte Wahlkampfstrategie der CSU sind für uns kein Grund zum Feiern", heißt es im Aufruf zu einer Kundgebung. SPD, Grüne und Freie Wähler kritisierten das Amt als populistische Wahlkampfmaßnahme.

Zum 1. August soll das neue Landesamt offiziell seine Arbeit aufnehmen. Dann öffnen auch die ebenso umstrittenen sieben Ankerzentren, die ebenfalls einen Teil zu schnelleren Abschiebungen beitragen sollen. Dafür wird in jedem bayerischen Regierungsbezirk eine schon bestehende Flüchtlingseinrichtung umgewidmet: in Manching, Bamberg, Schweinfurt, Zirndorf, Regensburg, Deggendorf und Donauwörth.

Um die Migration an der Grenze besser kontrollieren zu können, hatte die Staatsregierung zum Monatsanfang in Passau bereits die 1998 aufgelöste bayerische Grenzpolizei reaktiviert.