Bayerns Ministerpräsident Markus Söder will den umstrittenen Begriff Asyltourismus nicht mehr verwenden. "Für mich persönlich gilt: Ich werde das Wort Asyltourismus nicht wieder verwenden, wenn es jemanden verletzt", sagte der CSU-Politiker im bayerischen Landtag. Diese Entscheidung sei unabhängig von seiner persönlichen Wertung, wichtiger sei aber, dass Wortdebatten sinnvolle Sachfragen nicht verhindern dürften.

Über die Wortwahl Söders war in den vergangenen Tagen viel diskutiert worden. Söder hatte den Begriff im Asylstreit der CSU mit der CDU verwendet, um darauf hinzuweisen, dass es Asylbewerber gibt, die innerhalb Europas nach dem für sie besten Land suchen und sich nur aus wirtschaftlichen Gründen in ein Asylverfahren in Deutschland begeben. Die SPD im bayerischen Landtag hatte Söder wegen der Wortwahl mit einer Klage vor dem Bayerischen Verfassungsgerichtshof gedroht, sollte die Staatsregierung nicht bis zum 15. Juli eine im Parlament erbetene Begriffsdefinition vorlegen. 

FDP-Chef Christian Lindner warf Söder vor, zur Verrohung der politischen Debatte in Deutschland beizutragen. "Worte wie Asyltourismus stammen aus dem Repertoire der politischen Gossensprache", sagte Lindner bei einer Veranstaltung der Augsburger Allgemeinen. Beim Inhaber eines höchsten Staatsamtes komme es nicht nur darauf an, was er sagt, sondern auch, wie er etwas sagt.

Wenn da der Stil nicht stimmt, "färbt das ab auf die politische Kultur insgesamt", sagte Lindner. "Und ich möchte nicht, dass unsere Demokratie so verroht und verprollt wie die amerikanische unter Donald Trump", ergänzte er im Hinblick auf den US-Präsidenten.