Flüchtlinge im Mittelmeer - Das Sterben geht weiter Im Mittelmeer sind zwei Flüchtlingsboote gesunken. Obwohl weniger Menschen in die EU flüchten, fordern Politiker verschärfte Maßnahmen. Ein Überblick aus dem Videoarchiv. © Foto: Aris Messinis/AFP/Getty

Tausende Menschen haben in mehreren deutschen Städten für Solidarität mit Seenotrettern und sichere Fluchtwege demonstriert. Nach Angaben des Bündnisses Seebrücke beteiligten sich in Berlin 12.000 Menschen an der Kundgebung. Die Berliner Polizei sprach dem rbb zufolge von Teilnehmerzahlen "im unteren vierstelligen Bereich". Auch in Frankfurt am Main, Heidelberg, Leipzig und München fanden Proteste statt. 

Das Bündnis Seebrücke wird nach eigenen Angaben von mehr als einem Dutzend zivilgesellschaftlicher Organisationen getragen. Die Initiative entstand spontan, als das Flüchtlings-Hilfsschiff Lifeline mit 234 Menschen an Bord am Einlaufen in einen Hafen gehindert worden war. "Menschen auf dem Mittelmeer sterben zu lassen, um die Abschottung Europas weiter voranzubringen, und politische Machtkämpfe auszutragen, ist unerträglich und spricht gegen jede Humanität", schreiben die Initiatoren der Berliner Demonstration in ihrem Aufruf.   

Orange als Zeichen der Solidarität

Die Bewegung hatte die Demonstranten dazu aufgefordert, als Zeichen der Solidarität bei den Protestaktionen die Farbe Orange zu tragen – in Anlehnung an Rettungswesten, die häufig orange sind. Von der deutschen und der europäischen Politik fordert das Bündnis sichere Fluchtwege, eine Entkriminalisierung der Seenotrettung und eine menschenwürdige Aufnahme von Menschen, die fliehen mussten.

Die Behörden in Malta verweigern den Rettungsschiffen Lifeline und Sea-Watch 3 aktuell die Ausfahrt aus dem Hafen. Der Kapitän der Lifeline wird zudem juristisch belangt: Ihm wird vorgeworfen, die niederländische Flagge des Schiffs zu Unrecht verwendet zu haben. Nicht nur die Boote der Seenotretter dürfen im Moment nicht auslaufen – auch mindestens ein Aufklärungsflugzeug kann nicht starten. Der Moonbird, einem Flugzeug, das das Mittelmeer nach schiffbrüchigen Booten absucht, wurde der Start von Malta untersagt.

Die Seenotretter sprechen von politischem Kalkül: Es solle verhindert werden, dass Flüchtlinge gerettet und anschließend aufs europäische Festland gebracht werden. Kritiker werfen den Notrettern vor, durch ihre Arbeit direkt oder indirekt die Schleusung nach Europa zu unterstützten. Alleine im Juni waren Schätzungen zufolge mehr als 550 Menschen auf ihrer Überfahrt im Mittelmeer ertrunken.