Hamburg hat der Luftangriffe der Alliierten vor 75 Jahren auf die Stadt gedacht. "Wir müssen an die Vergangenheit erinnern, um Menschen mit Zukunft zu sein", sagte der katholische Erzbischof Stefan Heße bei einer Gedenkveranstaltung in der Hauptkirche Sankt Michaelis.

Hamburg gehört zu den im Zweiten Weltkrieg am stärksten zerstörten Städten. Am folgenreichsten waren die alliierten Luftangriffe der Operation Gomorrha vom 25. Juli bis 3. August 1943. Große Teile Hamburgs, vor allem östlich der Alster, lagen in Trümmern, mindestens 34.000 Menschen starben. Auch die Kirche Sankt Nikolai, deren Turm den Bomberpiloten als Orientierungspunkt diente, wurde bei dem Angriff zerstört. Ihre Ruine ist heute zentraler Erinnerungsort und Gedenkstätte.

Bischof Heße sagte, dass Deutschland nicht unschuldig gewesen sei an den Opfern der Angriffe, und mahnte die Notwendigkeit zur Versöhnung an. "Wir dürfen in Deutschland zutiefst dankbar sein, dass uns nach all dem, was unser Land über Europa, ja die Welt gebracht hat, nach dem Krieg die Hand zur Versöhnung ausgestreckt wurde", so der Erzbischof. 

Für die evangelische Bischöfin Kirsten Fehrs bedeutet Erinnerung zugleich auch Aufarbeitung: "Die zerstörten Menschenleben kann niemand zurückbringen, die fürs Leben gezeichneten Körper und Seelen der Überlebenden auch nicht."

Fehrs sagte, die Bilder und Berichte aus Syrien würden zeigen, dass diese Mahnung immer wieder nicht gehört wird. "Umso wichtiger, dass wir nicht müde werden, gemeinsam mit Menschen aller Religionen immer wieder zu betonen: Krieg darf nach Gottes Willen nicht sein", so die Bischöfin.

Das Gedenken an das alliierte Bombardement wurde in der Bundesrepublik immer wieder kontrovers diskutiert. So beklagte der Autor W. G. Sebald in seinen Zürcher Poetikvorlesungen 1997, dass das Trauma des Luftkriegs weitestgehend verdrängt worden sei und kaum eine "Schmerzensspur" hinterlassen habe. 

Erst im Februar dieses Jahres sagte der Dresdner Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) auf einer offiziellen Veranstaltung anlässlich der Zerstörung der Stadt vor 73 Jahren: "Erinnerungskultur ist nicht nur das Ablegen von Kränzen, sondern auch in ganz besonderer Weise gesellschaftliche Bildungsarbeit mit klarem Bezug zur Gegenwart." In der Stadt instrumentalisieren Rechtsradikale seit Jahrzehnten zum Jahrestag der Bombardierung im Februar das Gedenken der Opfer.

Am Mahnmal der Sankt Nikolai Kirche in Hamburg erinnert derzeit auch eine Sonderausstellung an die Bombenangriffe.