Die gesetzlichen Krankenkassen sollen künftig im Bedarfsfall die Kosten für Medikamente zur Vorbeugung einer HIV-Infektion übernehmen. Er wolle dafür sorgen, dass Menschen mit einem erhöhten Infektionsrisiko einen gesetzlichen Anspruch auf ärztliche Beratung, Untersuchung und Arzneimittel zur Vorbeugung erhielten, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) dem Deutschen Ärzteblatt. Dazu werde er demnächst einen Gesetzesentwurf vorlegen.

Die sogenannte Präexpositionsprophylaxe (Prep) sei ein wirksamer HIV-Schutz, sagte Spahn. Die Erfahrung aus anderen Ländern zeige, dass die Zahl der Infektionen dadurch deutlich zurückginge. Bei der Prep nehmen Menschen ohne HIV vorbeugend bestimmte antivirale Medikamente ein, um sich bei Sexualkontakten vor einer Ansteckung zu schützen.

"Nur richtig genommen wirkt es. Falsch gemacht, steigt im Gegenteil eher das Risiko von Resistenzen und Ansteckungen", warnte Spahn. Dem "Wildwuchs" mit Prep in Deutschland solle ein "strukturiertes Angebot" entgegengesetzt werden.

Aids-Hilfe feiert "Meilenstein für die HIV-Prävention"

Laut Spahn ist Deutschland schon jetzt eines der Länder, in denen sich am wenigsten Menschen neu mit HIV ansteckten. Die Deutsche Aids-Hilfe nannte die geplante Regelung einen "Meilenstein für die HIV-Prävention in Deutschland". Bisher müssen die Kosten selbst getragen werden. Die Medikamente kosten laut Aids-Hilfe 50 bis 70 Euro, hinzu kommen ärztliche Beratung und Begleituntersuchungen.

Wer Anspruch auf Übernahme der Kosten hat, sollen der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen und die Kassenärztliche Bundesvereinigung aushandeln. Das Bundesgesundheitsministerium schätzt, dass rund 10.000 Menschen Prep in Anspruch nehmen werden.

Vor wenigen Tagen hatte die Organisation der Vereinten Nationen UNAIDS vor einer "bedrohlichen Selbstzufriedenheit" beim Thema Aids gewarnt. Insgesamt steckten sich laut UNAIDS 2017 weltweit rund 1,8 Millionen Menschen mit dem HI-Virus an. Das Infektionsrisiko sei bei Schwulen 28-mal höher als bei Heterosexuellen. Weitere Risikogruppen seien Prostituierte, Drogenabhängige und Transgenderfrauen.

Schneller zum Arzttermin

Spahn kündigte außerdem an, dass Patientinnen und Patienten künftig schneller an einen Termin beim Arzt kommen sollen. Dazu sollen Terminservicestellen ausgebaut und die Mindestsprechstunden von 20 auf 25 Stunden erhöht werden. Auf Letzteres hatten sich Union und SPD bereits in ihrem Koalitionsvertrag geeinigt. "Ärzte, die uns dabei helfen, die Versorgung zu verbessern, sollen höher und außerhalb des Budgets vergütet werden", kündigte Spahn an. Geplant seien Grundpauschalen bei offenen Sprechstunden, aber auch höhere Vergütungen für Ärzte, die Termine über die Terminservicestellen annähmen.