Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) macht seine persönliche politische Zukunft von einem letzten Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel im Streit um die Flüchtlingspolitik abhängig. "Wir wollen im Interesse dieses Landes und der Handlungsfähigkeit der Regierung und der Koalition einen Einigungsversuch machen", sagte der CSU-Vorsitzende in der Nacht zu Montag in München. Das Treffen mit der CDU-Vorsitzenden soll an diesem Nachmittag stattfinden, sechs CDU- und sechs CSU-Funktionäre sollen daran teilnehmen.

Seehofer erklärte nach einer stundenlangen Krisensitzung in der CSU-Zentrale: "Ich habe ja gesagt, dass ich beide Ämter zur Verfügung stelle, dass ich das in den nächsten drei Tagen vollziehe." Nun wolle er noch mal einen "Zwischenschritt einlegen zu einer Verständigung mit der CDU". Alles Weitere werde dann entschieden "nach dem Gespräch mit der CDU".

Zuvor hatte Seehofer den in der CSU-Zentrale versammelten Parteifunktionären seinen Rücktritt angeboten. Landesgruppenchef Alexander Dobrindt hatte das als "inakzeptabel" abgelehnt und zusammen mit der CSU-Spitze versucht, Seehofer vom Rücktritt abzuhalten. Er widersprach auch Meldungen, wonach Seehofer wegen nachlassenden Rückhalts in der eigenen Partei seinen Rücktritt angeboten habe. Der Rückhalt in den Beratungen der CSU-Spitzengremien für Seehofer sei "außerordentlich stark gewesen", sagte Dobrindt. Dies gelte für den ganzen CSU-Vorstand und die CSU-Landesgruppe.

Im Streit zwischen CDU und CSU geht vor allem um die Forderung der CSU und ihres Vorsitzenden, Flüchtlinge, die bereits in einem anderen EU-Land registriert sind, an der deutschen Grenze abzuweisen. Seehofer will dies in seiner Funktion als deutscher Innenminister notfalls im Alleingang anweisen. Merkel lehnt dies strikt ab und setzt auf eine europäische Lösung, die sie auf dem EU-Gipfel Ende vergangener Woche ausgehandelt hat. Ihr zufolge hat sie die Zusage von 14 Ländern, eine Vereinbarung für eine schnellere Rückführung von Flüchtlingen einzugehen.

Seehofer reicht dies nicht aus. Zu Beginn der Krisensitzung seiner Partei in München nannte er Merkels Verhandlungsergebnisse "nicht wirkungsgleich" mit einer von ihm vorgeschlagenen nationalen Lösung. Stattdessen bestand er auf seinem sogenannten Masterplan Migration, den er den versammelten Mitgliedern des CSU-Vorstands und der CSU-Landesgruppe vorlegte. Präsidium und Vorstand der CDU, die parallel in Berlin tagten, kennen das Papier bislang nicht.

Den Verlauf der Verhandlungen zwischen CDU und CSU am Sonntagabend können Sie in unserem Liveblog nachlesen.