Die Mehrheit der Deutschen ist einer Umfrage zufolge für nukleare Abrüstung. 71 Prozent sind dafür, dass die Bundesregierung sich dem Atomwaffenverbot der Vereinten Nationen anschließt, ergab eine Umfrage des Instituts YouGov im Auftrag der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (Ican). 13 Prozent sprachen sich dagegen aus. Die Bundesregierung will sich dem Verbot nicht anschließen – vermutlich, weil sie Streit mit ihren Partnern in der Nato fürchtet, die Atomwaffen besitzen.

Ähnlich ist das Meinungsbild bei der Frage, ob die USA ihre Atomwaffen aus dem rheinland-pfälzischen Büchel abziehen sollen. Hierfür sind 70 Prozent, nur 16 Prozent sind dagegen. In beiden Fragen gibt es eine deutliche Mehrheit bei den Anhängern aller Parteien. Männer sprechen sich häufiger für den Verbleib der Atomwaffen aus als Frauen.

Außerdem sind 55 Prozent der Deutschen dagegen, deutsche Kampfflugzeuge mit der Fähigkeit auszustatten, Atomwaffen zu transportieren und abzuwerfen, 26 Prozent sind dafür. 72 Prozent sprechen sich auch dagegen aus, dass Banken in Unternehmen investieren, die sich mit Atomwaffen beschäftigen. Im Mai hatte die Deutsche Bank angekündigt, keine Geschäfte mit Atomwaffen mehr machen zu wollen. Laut Ican hatte die Bank mehrere Milliarden Euro in Hersteller von Atomsprengköpfen und Atomraketen investiert.

Ican kritisiert unklaren Zeitplan der Bundesregierung

Zum Abzug der US-Atomwaffen in Büchel heißt es im Koalitionsvertrag: "Erfolgreiche Abrüstungsgespräche schaffen die Voraussetzung für einen Abzug der in Deutschland und Europa stationierten taktischen Nuklearwaffen." Ican kritisiert, dass die Regierung den Zeitpunkt von Gesprächen über den Abzug offenlässt. "Die Zahlen zeigen: Mit der aktuellen Atomwaffenpolitik stellt sich die Bundesregierung gegen den Willen der Bevölkerung", sagte Xanthe Hall, Vorstandsmitglied bei Ican Deutschland. "Wenn es Deutschland ernst meint mit nuklearer Abrüstung, müssen die Sprengköpfe aus Büchel abgezogen werden und die Bundesregierung muss dem UN-Atomwaffenverbot beitreten."

Am Samstag jährt sich der Beschluss der Vereinten Nationen, Atomwaffen zu verbieten. Ican erhielt daraufhin für sein Engagement für nukleare Abrüstung den Friedensnobelpreis. Ausgerechnet die Länder mit Atomwaffen boykottieren allerdings den Beschluss von 122 Ländern.