Die Bundesregierung will innerhalb des kommenden Jahres Maßnahmen auf den Weg bringen, um den Pflegenotstand in Deutschland zu beseitigen. Wie im Koalitionsvertrag vereinbart, sollen daran mehrere Ministerien zusammenarbeiten. Dazu will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gezielt Fachkräfte in Südosteuropa anwerben. Besonders im Kosovo und in Albanien gebe es ein hohes Potenzial an jungen Fachkräften, sagte er der Bild am Sonntag. "Dort ist die Pflegeausbildung häufig besser, als wir denken."

Es gebe aber erhebliche Probleme bei der Visavergabe. "Was mich verzweifeln lässt: Die ausgebildeten Fachkräfte müssen oft zehn Monate auf ein Visum für Deutschland warten. Diese Abläufe müssen wir beschleunigen." Auch die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse dauere zu lange.

Krankenhäuser sind bereits auf ausländische Pfleger angewiesen

Spahn wies darauf hin, dass bis zu 50.000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt würden. "Da werden wir auch im Ausland suchen müssen." Es sei kaum mehr möglich, in Deutschland ein Krankenhaus oder eine Pflegeeinrichtung ohne ausländische Pflegekräfte zu betreiben.

Pflegenotstand - »Wir schaffen es eben nicht mehr« In Deutschland fehlen 60.000 bis 100.000 Pflegekräfte. Nachwuchsprobleme, schlechte Bezahlung und fehlende Anerkennung machen den Pflegenden zu schaffen. © Foto: Peter Steffen/dpa

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will eine spezielle Aufenthaltserlaubnis für ausländische Pflegekräfte einführen. "Ausländer, die als Pfleger arbeiten wollen, sollten für ein halbes Jahr nach Deutschland kommen dürfen. Bedingung: Sie erhalten keinen Cent aus den Sozialsystemen, und wenn sie nach den sechs Monaten keine feste Stelle als Pflegekraft haben, müssen sie wieder gehen", sagte Heil der BamS. Wichtig sei auch, dass Deutschland "endlich ein ordentliches Zuwanderungsgesetz" bekomme.

Heil kündigte zudem an, er wolle die Löhne von Pflegekräften bis Mitte nächsten Jahres deutlich erhöhen und einen Flächentarifvertrag in der Pflege erreichen. Zusätzlich verspricht Familienministerin Franziska Giffey (SPD) eine Ausbildungs- und Informationsoffensive zu Pflegeberufen.