Fußballnationalspieler Mesut Özil hat sich nach teils heftiger Kritik an seiner Person erstmals zu seinem Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan geäußert. Er verteidigte sich in einer englischsprachigen Erklärung, welche er auf seinen Social-Media-Kanälen veröffentlichte, und kritisierte den Umgang von Medien und Sponsoren mit ihm. "Ich habe zwei Herzen, ein deutsches und ein türkisches", sagte der Nationalspieler.

Der 29-Jährige warf bestimmten deutschen Zeitungen rechte Propaganda vor, "um ihre politischen Interessen voranzutreiben". Im Hinblick auf die Berichterstattung sprach Mesut Özil von einer Doppelmoral. Auch Lothar Matthäus habe sich während der WM mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin fotografieren lassen. Der ehemalige Nationalspieler und heutige Ehrenspielführer habe dafür kaum Kritik erfahren, noch wurde eine öffentliche Erklärung von ihm gefordert. "Macht mich meine türkische Herkunft zu einem wertvolleren Ziel?", fragte Özil.

Nach dem Erdoğan-Foto hätten ihn zudem Sponsoren fallen gelassen. Er sei von einem DFB-Sponsor nachträglich aus Werbekampagnen entfernt worden. Alle weiteren PR-Aktivitäten, für die er eigentlich vorgesehen gewesen war, seien gestrichen worden. Dabei sei er immer davon ausgegangen, dass Partnerschaften Unterstützung in guten wie in schlechten Zeiten einschließen. Den Namen des Sponsors nannte der Nationalspieler nicht.

Özil bestreitet politische Absichten

"Sich nicht mit dem Präsidenten zu treffen, wäre einer Missachtung meiner Wurzeln und der meiner Vorfahren gleichgekommen", schrieb Özil in seiner Stellungnahme. Gleichzeitig habe er mit dem Treffen Respekt vor dem Amt des türkischen Präsidenten zeigen wollen. Er bestritt eine politische Absicht. Für ihn sei es dabei nicht um Wahlkampf gegangen. Sein Beruf sei der des Fußballspielers, nicht der eines Politikers.

Özil und sein Nationalmannschaftskollege İlkay Gündoğan hatten sich kurz vor ihrer WM-Nominierung mit Erdoğan fotografieren lassen, woraufhin ihnen Wahlkampfhilfe für den türkischen Präsidenten vorgeworfen wurde. Gündoğan hatte sich bereits vor der WM zu den Vorwürfen geäußert – auch er betonte seinen familiären Bezug zur Türkei. Özil hatte dagegen bis jetzt geschwiegen.  

Nach dem Vorrundenaus bei der WM in Russland hatte der DFB-Präsident Reinhard Grindel eine öffentliche Erklärung vom Nationalspieler gefordert. Teammanager Oliver Bierhoff stellte sogar in den Raum, dass man Özil vielleicht besser nicht mit zur WM genommen hätte, relativierte jedoch anschließend seine Aussage.

Cem Özdemir kritisiert Özil

Der Grünen-Politiker Cem Özdemir kritisierte die Erklärung Özils. "Es ist sehr bedauerlich, wie sich Özil jetzt äußert. Damit spielt er denen einen Steilpass zu, die unsere Demokratie ablehnen hier wie dort", teilte Özdemir mit. Respekt würde der Grünen-Politiker nur Demokraten zollen. Er sei froh, dass hier in Deutschland viele Deutsch-Türken leben, die sich gerade wegen ihrer Wurzeln für eine demokratische Türkei aussprächen. "Denen ist Mesut Özil in seiner Vorbildfunktion nicht gerecht geworden."

Der deutsche Nationalspieler erklärte, er habe während des Treffens mit Erdoğan nur über Fußball gesprochen – wie bei vorherigen Treffen auch. Seine Entscheidung, sich mit dem Präsidenten der Türkei fotografieren zu lassen, sei unabhängig von der Person gewesen, schrieb Özil. 

In den vergangenen Stunden hat Özil bereits zwei Erklärungen veröffentlicht. Eine dritte wird wohl folgen. Ob Özil seine Karriere in der deutschen Nationalmannschaft fortführen wird, ist noch offen.