Die juristisch umstrittene Abschiebung des mutmaßlichen Islamisten nach Tunesien hätte noch gestoppt werden können, obwohl er sich schon im Flugzeug befand – das berichtete die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung unter Berufung auf die für den Flug verantwortliche Behörde. "Bis zur Übergabe an die tunesischen Behörden wäre dies möglich gewesen", zitiert die Zeitung die Bundespolizei.

Die Darstellung der Bundespolizei widerspricht der Position des Landes Nordrhein-Westfalen. Der für die Rückführung verantwortliche Minister für Integration und Flüchtlinge, Joachim Stamp (FDP), sagte demnach am Freitag bei einer Anhörung im Düsseldorfer Landtag, er habe kurz vor 9 Uhr von dem Abschiebeverbot erfahren, zu diesem Zeitpunkt aber keine Möglichkeit mehr gesehen, noch einzugreifen.

Sami A. war vor gut einer Woche aus Nordrhein-Westfalen in sein Herkunftsland abgeschoben worden, obwohl das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen am Vorabend ein Abschiebeverbot für den mutmaßlichen Ex-Leibwächter des langjährigen Al-Kaida-Chefs Osama bin Laden bestätigt hatte. Die Behörden verhinderten die Abschiebung nicht. Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen entschied daraufhin, dass Sami A. nach Deutschland zurückgeholt werden müsse.

Das Flugzeug landete nach Angabe der Bundespolizei erst um 9.08 Uhr, übergeben wurde der Tunesier um 9.14 Uhr.

Allein das angemietete Charterflugzeug für Sami A. nach Tunesien hat laut der Bundespolizei 34.848 Euro gekostet. Die Kosten werden demnach von der Ausländerbehörde Bochum getragen. Für einen zuvor stornierten Linienflug wurden demnach zusätzlich 467,84 Euro fällig.