Der am Freitag nach Tunesien abgeschobene ehemalige Leibwächter Osama bin Ladens muss zurück nach Deutschland geholt werden. Das hat das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen entschieden. Die Abschiebung sei "grob rechtswidrig" und verletzte grundlegende rechtsstaatliche Prinzipien, teilte das Gericht mit. Deshalb müsse sie rückgängig gemacht werden. Die Ausländerbehörde sei verpflichtet, den Mann "unverzüglich auf Kosten der Ausländerbehörde in die Bundesrepublik Deutschland zurückzuholen".

Gegen diesen Gerichtsbeschluss will nun das NRW-Flüchtlingsministerium vorgehen. Dies werde zusammen mit der Ausländerbehörde der Stadt Bochum geschehen, teilte das Landesministerium in Düsseldorf mit.

Das Gelsenkirchener Gericht hatte bereits am Donnerstagabend entschieden, dass Sami A. nicht abgeschoben werden dürfe, weil ihm in seinem Heimatland Folter drohe. Doch der Beschluss wurde erst am Freitagmorgen veröffentlicht, als sich Sami A. schon auf dem Flug in sein Heimatland befand. Die Rechtsanwältin des Tunesiers hatte daher Klage auf Rückführung nach Deutschland eingereicht.

Das Verwaltungsgericht hatte nach Angaben eines Sprechers das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) am Freitagmorgen über das Abschiebeverbot informiert. Das Fax mit der Entscheidung vom Donnerstagabend sei um 8.27 Uhr an das Bamf gefaxt worden, sagte der Sprecher. Zu diesem Zeitpunkt saß A. laut dpa aber bereits im Flugzeug nach Tunesien.

Angekommen in Tunis wurde A. umgehend in Gewahrsam genommen, sagte ein Sprecher der tunesischen Anti-Terror-Staatsanwaltschaft, Sofiène Sliti, der Nachrichtenagentur AFP.

Sami A. war 1997 zum Studium nach Deutschland eingereist, machte aber keinen Abschluss. Seit 2005 lebte er mit Frau und Kindern in Bochum. Der Tunesier war von den Behörden als sogenannter Gefährder eingestuft worden. Er war Ende Juni festgenommen und in ein Abschiebegefängnis gebracht worden, nachdem das Bamf ein Abschiebeverbot aufgehoben hatte. Dagegen wehrte sich A. zuletzt mit einem Eilantrag vor dem Verwaltungsgericht.

Sami A. soll den Behörden zufolge zeitweise Leibgardist des 2011 getöteten Osama bin Laden gewesen sein. Ihm wird vorgeworfen, Ende 1999, Anfang 2000 in einem Terrorlager in Afghanistan gewesen zu sein. Er selbst bestreitet die Vorwürfe: Er sei nie in Afghanistan oder in einem Ausbildungslager von Al-Kaida gewesen und habe auch nie Bin Laden gedient.