SPD-Chefin Andrea Nahles hat ihre Partei in der Flüchtlingspolitik zu einer schärferen Abgrenzung von den Grünen ermahnt. "Die Imitation der Grünen hilft uns nicht weiter", sagte Nahles im Interview mit dem Münchner Merkur. Dies gelte auch für die Asylpolitik. "Die Grünen nehmen eine einfache Position ein. Unser Kurs ist differenzierter, aber dafür realistisch", sagte Nahles.

Die Parteivorsitzende sprach sich für einen "Realismus ohne Ressentiments" aus, auch wenn dies für die SPD jeden Tag eine Herausforderung bedeute. "In der Partei quietscht es ein bisschen, wenn ich sage: Es können nicht alle bei uns bleiben", sagte Nahles der Zeitung. Sie setze sich für alles ein, was Asylverfahren beschleunigt.

Sie lehne es aber zugleich ab, durch schlechtes Benehmen gegenüber den Schwächsten in der Gesellschaft das eigene Profil zu schärfen. Dies sei "der Unterschied zu Rechtspopulisten, aber auch zur CSU". Deren Verhalten sei oft schäbig.

Zwar gesteht sie auch politische Schnittmengen der SPD mit der CSU ein, zum Beispiel im sozialen Bereich. Jedoch kritisierte Nahles auch die Asylpolitik Horst Seehofers scharf. Er habe eine Regierungskrise ausgelöst und damit rechtspopulistischen Kräften Vorschub geleistet.

Die Grünen rief Nahles dazu auf, ihre Blockade gegen die Festlegung neuer sicherer Herkunftsländer aufzugeben. "Ich halte das für einen schweren Fehler", sagte die SPD-Chefin. So entwickle sich in Georgien eine neue Art der Bandenkriminalität. "Da kann man doch nicht Augen und Ohren verschließen und so tun, als gehe es um Bürgerkriegsflüchtlinge", sagte Nahles.

Die 48-jährige Nahles ist sowohl Fraktions- als auch Parteivorsitzende der SPD. Nach der Wahlniederlage der Sozialdemokraten bei der Bundestagswahl 2017 soll sie nun die Erneuerung der Partei voranbringen. Laut Juso-Chef Kevin Kühnert habe sie dabei vor allem eine Aufgabe: die Motivation der Mitglieder. Den Zeitungen der Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft sagte der Juso-Chef, Nahles nehme sich "wahnsinnig viel Zeit für persönliche Rücksprachen, ruft auch früh morgens oder spät abends noch einmal an". Bei der Erneuerung der Partei müssten auch die Mitglieder mitziehen, sagte Kühnert. Einige machten es sich zu bequem und warteten auf die Erneuerung von oben.

Auch Johannes Kahrs, einer der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises, sagte: "Sie hält den Laden zusammen. Sie führt."Er sei ja " kein Mitglied des Nahles-Fanclubs, aber ehrlicherweise macht sie es großartig", sagte Kahrs dem Zeitungsverbund.